Druckschrift 
3 (1793) [K - Q]
Entstehung
Seite
615
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hat also da statt, wo mehrere Dingenach einer gewissen Regel neben ein-ander stehen, oder auf einander fol-gen können: sie wird durch die Re-gel, oder durch das Gesetz, nachwelcher diese Dinge neben einanderstehen oder auf einander folgen, be-stimmt! und man erkennt, oder be-merkt sie, so bald man cnrdcket, daßdie Sachen nach einem Gesetz ver-bunden sind, wenn gleich dieses Ge-fetz keine Absicht zum Grund hat,und nicht aus Ueberlcgung vorhan-den ist. Man höret bisweilen, daßRegentropfen von einem Dach ingleichen Zeiten nach einander abtro-pfen. In dieser Folge der Tropfenist Ordnung ohne Absicht; die Um-stände der Sache bringen es so mitsich, daß jeder Tropfen gleich ge-schwinde auf den vorhergehendenfolget. Dies ist hier das Gesetz derFolge, durch welches sie Ordnungbekommt. Es kann sich treffen,' daßetliche Kugeln, ohne Absicht auf dieErde geworfen, in gerader Linie undgleich weit aus einander liegen blei-ben. Wir cntdckcn alsdenn Ord-nung und Gesetze der Stellung dar-in, dic keine Folge der Ucbcrlegungsind. Wo wir in Verbindung derDinge kein Gesetz, keine Regel derEinförmigkeit bemerken, so sagenwir, die Sachen seyen unordentlichdurch einander. Dieses sagen wirz.B. von den Baumen in cincmWal-de, wenn wir keine Regel bemerken,durch welche Einförmigkeit der Stel-lung entstanden wäre.

Die Ordnung kann sehr einfach,aber sie kann auch sehr verwikelt scyn;weil das Gesetz derselben mehr oderweniger Bedingungen haben kann,denen die Folge der Thcile genugthun muß. Es giebt auch vielerlei)ganz verschiedene Gattungen derOrdnung nach Verschiedenheit derAbsicht, in wclcl)er man einer Folgevon Dingen eine Regel der Einför-migkeit vorschreibt. Damit wir

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uns aber nicht in allgemeine meta-physische Betrachtungen verliefen,sondern blos bcy dem bleiben, wisdie allgemeine Theorie der schönenKünste davon nöthig hat: so wol-len wir hier blos von den Dinaensprechen, die durch Ordnung eineästhetische Kraft bekommen, ohneOrdnung aber völlig gleichgültigwären; denn nur auf diese Weiselaßt sich die Würkung der Ordnungvon allen Nebenwürkungen abgeson-dert erkennen.

EineMcnge vor unfern Augen zer-streut liegender Feldsteine, die wirmit völliger Gleichgültigkeit, ohneden geringsten Grad der Aufmerk-samkeit sehen, kann durch Ordnungin einen Gegenstand verwandeltwerden, den wir mit Aufmerksam-keit betrachten, und der uns wol-gcfäklt. Hier hat kein cinzeler Theilfür sich ästhetische Kraft, sondernist völlig unbedeutend: gefällt unseine gewisse Anordnung dieser Stei-ne, so hat das Materielle, oderdas, was jeder Stein an sich hat,keinen Antheil an dieser Würkung.So haben einzcle Schläge auf eineTrommel, oder auf einen Ambosnichts, das uns lokte; aber so baldwir Ordnung darin bemerken, be-sonders, wenn sie metrisch, oderrhythmisch werde», so bekommen sieästhetische Kraft.

Ganz anders ist es mit solchenDingen beschaffen, die schon einzeln,jedes für sich, eine Kraft haben, wiein der Rede, wo jedes Wort etwasbedeutet, oder m einem Gemählde,wo jede Figur für sich schon etwashat, das den Geist oder das Herzbcschasstigct. Wenn in dergleichenGegenstände Ordnung gelegt wird,so kann daraus eine Wüikung ent-stehen, wozu nicht blos die Ord-nung, sondern auch das Materielleder geordneten Dinge das Seinigebeytragt.

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