Ope
NIM, würbet in dm Gemüthern derZuschauer eine so starte Spannungzur Leidenschaft, daß nur noch eingeringer Stoß hinzukommen darf,um ihren vollen Aurbruch zu bewür-fen; die Gcmüther sind schon zumvoraus zu sehr erhitzt» daß nun einkleiner Funken alles darin in volleFlamme setzet.
Wer dieses recht bedenket, wirdleicht begreifen, daß kein Werk derKunst der Oper an Lebhaftigkeit derWürkung gleich kommen könne. Augund Ohr und Einbildungskraft, alleSpannfedern der Leidenschaften wer-den da zugleich ins Spiel gesetzt.Darum ist es von großer Wichtig-keit, daß die äußerlichen Zurüstun-gen, von denen so sehr viel abhängt,mit ernstlicher Ueberlegung veranstal-tet werden.
Der Baumeister der Schaubühnemuß ein Mann von sicherem Ge-schmak seyn, und bey jeder veränder-ten Seme genau überlegen» wohinder Dichter zielt. Dann muß er mitBcybchaltung des lieblichen, oderdestlokume, alles so einrichten, daßdas Auge zum voraus auf das, wasdas Ohr zu vernehmen hat, vorbe-reitet werde. Die Scencn der Na-tur und die Aussichten, welche dieBaukunst dem Auge zu verschaffen imStand ist, können jede leidenschaft-liche Stimmung annehmen. EineGegend oder eine Aussicht kann unsvergnügt, fröhlich, zärtlich, trau-rig, melancholisch und furchtsamwachen; und eben dieses kann durchGebäude und durch innere Einrich-tung der Zimmer bcwürkt werden.-Also kann der Baumeister dem Dich-ter überall vorkommen» um ihm denEingang in die Herzen zu erleichtern.Aber er muß sich genau an die Bahnhalten, der der Dichter folget: nichtsUnbedeutendes» zum bloßen Kützcldes Auges; viclwcniger etwas Ue-bcrraschendes, das dem herrschendenTon der Empfindung widerspricht.
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Auch die Kleidung derPersonen istzum Eindruk von Wichtigkeit; undes ist sehr ungereimt, wenn man da«be» blos auf eine dumme Blendungdes Auges sieht. In Rom war eszu der Zeit der Republik sehr gewöhn«lich, daß die Großen, wenn ihneneine Gefahr drohete, wenn sie sichvor dem Volke über schwere Beschul-digungen zu verantworten hatten,oder wenn etwa die Republik in all-gemeiner Noch war, Trauerklcidecanzogen. Sie wußten, was fürEindruk dergleichen gcringscheinendeDinge auf die Gemüthcr machen.Darauf und nicht blos auf Prachtund strotzenden Prunk, wie gemei-niglich geschieht, muß man. bey. derOpernklcidung sehen.
Von den Tänzen, die schiklicherganz aus.der Oper wegblieben, alsdaß sie, wie itzt geschieht, blos dieHandlung unterbrechen, und diedurch dieselbe gemachten Eindrükeauslöschen, wollen wir hier gar nichtsprechen, weil das, was in andernArtikeln davon gesagt worden, hin«länglich ist, dem, der den ganzenPlan einer Oper anordnet, auch eineschiklichc Anwendung dieser Kunst andie Hand zu geben.
Wenn man bedenkt, was für großeKraft in den Werken einer einzigender schönen Künste liegt, wie sehrder Dickster uns durch eine Ode hin-reißen, wie tief uns der Tonsetzerauch ohne Worte rühren, was fürlebhafte und daurende Eindrüke derMahler auf uns machen kann; wennman zu allem diesem noch hinzusetzt,daß das Schauspiel schon an sich dieEmpfindungen aufden höchsten Gradtreibet *): so wird man begreifen,wie unwiderstehlich dieGemüther derMenschen durch ein Schauspiel könn-ten hingerissen werden, in welchemdie einzclen Kräfte der verschiedenenschönen Künste so genau vereiniget
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6. Schauspiel-