Druckschrift 
3 (1793) [K - Q]
Entstehung
Seite
580
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cl?en, nahm er ein Sclwschra (dasdie Griechen Psalrerion nennten) indie Hand, und sang dazu ein Klage-lied von derEroberung Bagdads undMurads Lobe, mit so anmnchigerStimme und so viel Geschiklichkeit,daß dem Kaiser selbst die Thränendarüber ausbrachen, und er befahl,der noch übrigen Einwohner zu scho-n n. Diese Begebenheit konnte garfüglich durch eine Oper vorgestelltwerden. Der Dichter konnte sich ei-nen Ort in Bagdad Wahlen, wo enr.weder blos beb erwähnte Sanger mitsemer Familie, und einigen seinerFreunde, oder allenfalls etliche dervornehmsten Einwohner der Stadtsich versammlet befanden, um dieschrekliche Katastrophe zu erwarten.Es ließe sich gar leicht, um mehrMannichfaltigkeit zu erhalten, .einesehr natürliche Veranlassung ausden-k i, außer Männern auch Frauen.Jünglinge und Jungfrauen auf dieSccue zu bringen. Es wäre unnö-thig sich hierüber in umständlicheVorschläge einzulassen. Der Virtuos,der hier die Hauptrolle spielt, cntde-kc: seinen in Angst und Schrekcn ge-fegten Freunden, was er ausgedacht,um einen Versuch zu machen, sie zurttlen, und geht ab, um ihn auszu-führen. Mittlerweile sieht man vonden andern handelnden Personen baldMehrere, bald wenigere auf der Sce-Ne, und es wird dem Dichter leichtwerden, Furcht, Hoffnung und an-dere Leidenschaften wcchselsweisedurch sie zu schildern. Man ver-nimmt, daß der Kaiser den Mannvor sich gelassen; einer schmeicheltsich mit Hoffnung, ein andrer nimmtseine Zuflucht zum Geber, um einenglüklichcn Ausgang zu erhalten, eindritter Nimmt voll Kleinmuth voneiner Geliebten, oder von seinenFreunden in naher Erwartung desTodes schon Abschied.

Nun kann der Dichter seine Zu-schauer vor ein Zelt, oder vor einen

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Pallast, wo der Sultan dem SangerGehör giebt. versetzen, kann den Vir.ruosen sein Klaglied singen, den Kai-ser in voller Rührung seinen geänder-ten Entschluß offenbaren, und dennauf mehr, als einerlei) Art, dieDank-barkeit und endlich das Frohlokender Erretteten in sehr rührende» Re-cirativen. Sologesängen und Chörenhören lassen.

Wenn also Dichter von Genie sichmit dem Opernstoff abgeben würden,so könnten vielerlei) Handlungen da-zu ausgesucht, und die Sache selbstauf sehr mannichfaltige Weise behan-delt werden, ohne in das Unnatürli-che und Ungereimte zu verfallen, dasunsere Oper so abentheuerlich macht,Bey Widerlegung des Einwurfes,daß es überhaupt unnatürlich sey,Menschen bey einer ernsthaften Hand-lung durchaus singend einzuführen,wollen wir uns nicht aufhalten. Wirwollen gestehen, daß man einem Men-schen, der nie eine gute Oper gesehenhat, durch richtige Vernunftschlüssebeweisen könne, dieses Schauspielsei) durchaus? unnatürlich; aber dergrößte Vernünftler, der eine der be-sten .Graunischen, oder HaßischenOpern von guten Sängern vorgetra-gen achört hat, wird gestehen, daßdie EMpftiiduiig Nicht von Vernunft-schlüsscn abhängt So ungereimt dieOper scheinet, wenn Man blos diekahlen Begriffe, die der Verstand sichdavon macht, enrwikclt, so einneh-mend ist sie, wenn man auch mireine recht gute Scenc davon gesehenhat.

Da wir den Dichter für die Haupt-person halten, um die Oper zu einemguten Schauspiel zu machen, so wer-den wir über das andere, was dazugehöret, kürzer seyn. Denn wir ha-ben Proben genug vor uns , daß dieMusik, wenn sie nur gut gelei.ttwird, das Ihrige bey dcssSaehe sehrgut zu tbun, vollkommen genug ist.Wir wissen, Laß Hansel, Graun

lind