Druckschrift 
3 (1793) [K - Q]
Entstehung
Seite
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Ope

paar unglükliche Liebhaber, dabo»einer ins Gefängniß und in Lebens-gefahr kommt; denn ein zärtlichesAbschiednchmen in einem Duett unddergleichen, kommen bcynahe in garallen Opern vor.

Eben so mannichfaltig und so aus-schweifend sind die Ungereimtheitenin der Oper, die von der Musik her-rühren. Diese ist und kann'ihrerNa-tur nach nichts anders seyn, als einAuSdruk der Leidenschaften, oder eineSchilderung der Empfindungen einesin Bewegung gesetzten, oder gelasse-nen GemülhcS. Aber mit dicserAn-wendung der Kunst ans den einzigenZwek, den sie haben kann, sind dieTonsetzer, Sänger und Spieler nichtzufrieden. Sie machen es wie dieGaukler, die die Hände zum Gehen,und die Füße zu Führung des De-gens, oder andern Verrichtungen derHände brauchen, um den Pöbel inErstaunen zu setzen. ES ist selten ei-ne Oper, wo der Tonsetzer nicht Fleißdarauf wendet, sich in das Gebietdes Mahlers einzudrängen. Baldschildert er daS Donnern und Blitzen,bald daS Stürmen der Winde, oderdas Rieseln eines BacheS, bald dasGeklirre der Waffen, bald den Flugeines Vogels, oder andre natürlicheDinge, die mir den Empfiüdnngcndes HerzcnS keine Verbindung haben.Ohne Zweifel hat dieser verkehrte Ge-schmak dcö TonsetzerS die Dichter zuder Ungereimtheit verleitet, in denArien so sehr oft Vergleichungtn mitSchiffern, mit Löwen und Tygcrn,und dergleichen die Phantasie reizen-den Dingen anzubringen.

Dazu kam noch allMählig beymTonseser, Sänger und Spieler diekindische Begierde, schwere, künstlicheSachen zu machen. Der Sättgcrwollte dem Pöbel einen außerordent-lich langen Athen«, eine ungewöhn-liche Hohe und Tiefe der Stimme, ei-ne kaum begreifliche Beugfamkcir undSchnelligkcit der Kehle, und andre

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dergleichen Raritäten zeigen« auchder Spieler machte seine AnsprücheaufGelcgcnhcit, die Schnelligkeit sei-ner Finger in blitzenden Pasiagen undgewaltigen Sprüngen zu zeigen. Da-zu mußte der Tonsctzer ihn« Gelegen-heit geben. Daher entstehen die Miß-geburten von Passagen, Laufen undEadcnzen, die oft in affcktvollcn.Arien alle Empfindung so plötzlichauslöschen, als wenn man Wasserauf glüende Kohlen gösse. Daherdie unleidliche Verbrämung, wo-durch ein sehr nachbrüklichcr Toi« ineine reiche Gruppe feiner Tünchen sogut eingefaßt wird, daß man ihnkaum mehr vernehmen kann. Wernur einigen Geschmak oder Empfin.dung hat, «vird von den« lebhaftestenUnwillen getroffen, wenn er hört,daß ein Sanger anfängt in rührendenTönen eine zärtliche, oder schmerz,haste Gemüthslage an der« Tag zulegen, und dann plötzlich schöne Ra-ritäten auskramr. Anfänglich fühltman sich von Mitleiden über seiltElend gerührt; aber kaum hat manangefangci« die süße Empfindung mitihm zu theile», so sieht man ihn inemen Marktschreyer verwandelt, dervon der vorgegebenen Leidenschaftnichts fühlt, sondern uns blos dieraren Klmste seiner Kehle zeigen will;und itzt möchte man ihn mit Steinenvon der Bühne wegjagen, daß er unsfür so pöbelhaft hält, einen Gefallenan solchen Gäukclcycn zu haben.

Endlich muß man in so MancherOper die meiste Zeit mit Anhörungsehr langweiliger, keine Spur vonEmpfindung verrathendcr Gesängeüber nichtobedeulende Texte zubritt«gen. Denn es soll bald in jeder Sce-e eine Arie stehen. Da aber dochdaS Drama nicht durchaus in Aeuf-serungen der Empfindung besteht, somußte der Dichter auch Befehle, An-schläge, Anmerkungen oder Einwen-dungen im chrischen Ton vortragen,und der Setzer mußte nothwendig

Atien