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3 (1793) [K - Q]
Entstehung
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574
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Und wenn es nur auch die einzigewäre!

Aber nun kommt die Anfodcrungder Sänger. In jeder Oper sollendie besten Sänger auch am öfterstensingen; aber auch jeder mittelmäßigeund so gar die schlechtesten, die ein-mal zum Schauspiet gedungen sind,und bezahlt werden, müssen sich dochein oder ein paarmal in großen Arienhären lassen,' die beydcn ersten Sän-ger, nämlich der beste Sänger unddie beste Sängerin, müssen nothwen-dig ein oder mehrmal zugleich singen:also muß der Dichter Duette in dieOper bringen; oft auch Terzette,Quartette u. s. w. Noch mehr: dieersten Sänger können ihre völligeKunst insgemein nur in einerlei) Cha-raktere zeigen, der im zärtlichen Ada-gio, dieser im feurigenAllegrou.s.w.Darum muß der Dichter seine Arienso einrichten, daß jeder in seiner Artglänzen könne.

DieMannichfaltigkeit der darausentstehenden Ungereimtheiten ist kaumzu übersehen. Eine oder zwei) Sän-gerinnen müssen norhwcndig Haupt-rollen haben, die Natur der Hand-lung mag es zulasten oder nicht.Wenn sich der Dichter nicht anderszu helfen weiß, so verwikelt er sie inLicbeshandel, wenn sie auch dem In-halt des Stüks noch so sehr zuwiderwären. So mußte der beste Opern-dichter, Mctasiasio selbst, gegen alleNatur und Vernunft in die Hand-lung, die sich in Utica mitCatos Todendigte, zwey Frauenzimmer einflech-tcn: die Wittwe des Pompejus undselbst die Marcia, Catos Tochter;und diese mußte sogar in Casar ver-liebt scyn, und von einem Numidi-schen Prinzen geliebt werden, damitzwey Sängerinnen Gelegenheit bekä-men sich hären zu lassen. Wie ab-gcschmakt Licbeshandel in einer sofinstern Handlung stehen, fühlet auchder. der sonst weder derUeberlegungnoch des Nachdenkens gewohnt ist.

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Damit jeder Sänger Gelegenheit ha-be sich hären zulassen, müssen garoft Sachen gesungen werden, beydenen keinem Menschen, weder wa-chend noch rranmend, nur die Vor-stellung vom Singen einsallen kann:frostige, oder bcdachtliche Anmerkun-gen und allgemeine Maximen. Wel-chem verständigen oder vcrrüktcnMenschen konnte es einfallen, dieAnmerkung, oafi ein alter versuch-ter Rrieger nicht blindlings zu-schlägt, sondern seinen kNuch zu-rükhält, bis er seinen Vorrhcil ab-gesehen, singend vorzutragen *);oder diese bey aufstoßenden Wider-wärtigkeiten frostige Allegorie, oafider iVeinstok durch das Beschnei-den besser treibt, stmd der wolrie-chende Gummi nur aus verwunde-ten Bäumen trieft ")? Derglei-chen kindisches Zeug komint bald injeder Oper vor. Auch wird man sel-ten eine sehen, wo nicht die Unge-reimtheit vorkomme, daß Personen,die wegen bereits vorhandener gros-sen Gefahr, oder andrer wichtigenUrsachen halber, die höchste Eil inihren Unternehmungen Iiörhig haben,sich wahrendem Ritornell sehr lang-sam und ernsthaft hinstellen, erst rechtaushusten, und dann einen Gesanganfangen, in dem sie bald jedes Wortsechs und mchrmal wiederholen, undwobey man die Gefahr und die drin-gendsten Geschaffte völlig vergißt.Hat man irgend anderswo mehr alshier Ursach mit Horaz auszurufen:

LgeAacum zgmilli lilum ceucsrissmici?

Zu dem kommt noch das ewige Ei-nerlcy gewisser Materien. Wer eineoder zwey Opern gesehen hat, der hatauch viele Sccnen von hundert an-dern gesehen. Verliebte Klagen, ein

paar

') S. ^Nri-ino <li Net-lUllo. ^rr. II.3. /-ixxi'o antl'co etc.

") Ebendaselbst, ^.cr. III. S.a.at x/iite er«.