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dem Trauerspiel kommen Gesänge derChore vor, die wahreOden von ho-hem feierlichen Ton sind. Sie ha-ben vor allen andern Oden diesesvoraus, daß die Gemüther durchdas, was auf der Bühne vorgcgan-gen, auf das Beste vorbereitet sind,den Eindruk mit voller Kraft zu em-pfinden. Die genaueste Ucberlegunghatte kein schiklichcrcs Mittel ausge-dacht, den vollkommensten Gebrauchvon der Ode zu machen, als das,was die Gelegenheit hier von selbstanbot. Wir haben anderswo gesagt,wie die Chore in alten Trauerspie-len gelegentlich beybehalten worden.Wenn wir von diesem Ursprung der-selben nicht unterrichtet waren, sowürden wir denken, sie seycn mitguter Ucberlegung in das Trauer-spiel eingeführt worden, um der OdeGelegenheit zu. verschaffen in ihrervollen Würkung zu erscheinen. DieGemüther sind durch die tragischeHandlung zumEindrur derOde vor-bereitet, und er wird durch denfcycr-lichen Vortrag und die Unterstützungder Musik noch um ein merklichesverstärkt. Diese Betrachtung alleinsollte hinreichend seyn, die Chöre wie-der in die Tragödie aufzunehmen.
Es wäre sehr zu wünschen, daß einin der griechischen Litteratnr wol er-fahrner Mann, von so reifem Urlheilund so feinem Gcschmak als Lowtb,über die verschiedenen Gattungen dergriechischen Ode so gründlich undausführlich schriebe, als dieser für-treffliche Mann über die hebräischeOde geschrieben hat. Dieses würdeein Werk von ausnehmender Annehm-lichkeit und für die Odendichtcr vonaußerordentlichem Nutzen seyn. Esist kaum eine Gcmüthslagc» in der einDichter sich zurOde gestimmt fühlte,möglich, die dabei) nicht vorkäme;von de» kleinen lieblichen Gegenstän-den, wodurch die Seele in süßeSchwärmerei) gesetzt wird, bis aufdie größten, die sie mit Ehrfurcht
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Schreken und andern überwältigen-den Leidenschaften erfüllen, ist keinOdenstoff, den nicht irgend einer dergriechischen Dichter behandelt hätte,wenn wir vom Anakreon bis auf dieerhabenen Chöre des Aeschylns her-aufsteigen. Hier wäre also fürtreff-liche Gelegenheit für einen wahrenKnnstrichter. Ruhm zu erwerben.
Die Römer sind, wie in allenZweigen der Künste, so auch hierin,weit hinter den Griechen zurüke ge-blieben. Horaz war ihr einzigerOdendichtcr, der den Griechen zurSeite stehen konnte; dieses haben sieselbst eingestanden*). Aber dieser al-lein konnte statt vieler dienen. Erwußte seine Lcycr m jedem Ton zustimmen, und hat alle Gattungender Ode, von der hohen Pindarischen,bis auf das liebliche Anakrcontische,nnd das schmelzende Sapphifthe Lied,glüklich bearbeitet.
Wir dürfen in diesem Zweig derDichtkunst keine der heutigen Natio-nen beneiden. Klopstok kann ohneübertriebenen Stolz dem Deutschenzurufen:
Schrotet noch andrer Gesang dich,v Sohn TcutonS,Als Griechengcsang: —
So bist du kein Ocutscher! ein Nach-ahmer
Belastet vom Joche, verkennst du dichselber!
Diesen Vorzug haben wir vornehm-lich dem Mann von außerordentli-chem Genie zu danken, der mit glei-chem Recht sich dein Homer und demPindar zur Seite stellen kann. Nichtsist erhabener, fcycrlicher, im Flugkühner, als seine Ode von höheremStoff; nichts jubelreichcr, als dievon freudigem; nichts rührender,schmelzender, als die von zärtlichem
M m z Inhalt,
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