546 Ode
Schon diese beyde Strophen stellenuns eine Ode dar. Aber es liegt demDichter sehr am Herzen, seinen Freundganzlich von jener Lehre zu überzeu-gen. Darum fahrt er in dem affekt-reichen Ton fort zuerst die heftige Un-ruhe, die die Hoheit begleitet, unddie große Gefahr, die ihr drohet,durch zwey höchst treffende allegori-sche Bilder zu schildern:
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hernach seinen Freund zu erinnern,wie ein wahrhaftig weiser Mann bei)widrigem und günstigem Glüke des-sen Veränderlichkeit bedenke, derenihn auch der Lauf der Natur erinnert.Daraus ziehetcr den Schluß, daß eingegenwärtiges widriges Glük einebessere Zuknnft hoffen lasse.
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Zuletzt stellt er durch ein angenehmesBild vom Apollo, der nicht immerin ernsthaften Geschäften den Vogenspannt, sondern auch bisweilen durchden Klang der Cither, sich zu ange-nehmen Zeitvertreib ermuntert, vor,daß ein weiser Mann sich nicht ohneUnterlaß mit schweren Geschafftenabgicbt; und schließt endlich mit derVermahnung, im widrigen Glüke sichherzhaft, und im günstigen vorsich-tig zu zeigen, welches ebenfalls ineiner sehr kurzen und fürtrefflichenAllegorie geschieht.
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Hier sieht man sehr deutlich, wieeine gemeine Vorstellung durch dasGenre des Dichters zur Ode gewor-den.
Ode
Aus der fünften Ode des erstenBuches sehen wir, wie ein bloßerVerweis, den der Dichter einemFrauenzimmer wegen ihrer Unbestän-digkeit in der Liebe giebt, zu einersehr schonen Ode wird. Der Dich-ter wollte im Grunde nichts sagen,als dieses einzige: Vu bist eine Un-beständige, die mich nicht mehranloken wird. Die Wendung, dieer diesem Gedanken giebt, und derhöchst lebhafte Ausdruk, macht ihnzur Ode. „Wen magst du nun ge-fesselt halten, o! Pyrrha? — Achder Unglükliche weiß nicht, wie balddu ihm untreu werden wirst! Ichbin aus deinen Fesseln, wie aus ei-nem Schiffbruch gerettet, und habemeine nassen Kleider aus Dankbar-keit dem NeptuUus geweiht!"
Man stehet aus diesen Beyspielen-,wie ganz gemeine Gedanken durch denstarken Affekt, in dem sie vorgetra-gen werden, und durch Einkleidungin lebhafte Bilder zur Ode werdcmWürde jemand sagen :' seitdem Sp-baris die L.pdia licbr, hastet er diefrepe Ä.ufc und die ^.eibesübun«gen zc. so lag ehedem der Sohnder Therm verstellt! so weiß maiinicht, ob er ein satirisches Epigram-me, machen, oder blos die siltsaMWürknng der Liebe an diesem Bey-spiel in philosophischem Ernste zeigenwill. Wenn aber dieser Znstand desVerliebten einen Dichter von leb-haftem Genie in leidenschaftliche Em-pfindungen sitzet; wenn er ausruft?»Um aller Gotter willen, o! Lydia,warum stürzest du durch deine Liebeden Sybaris ins Elend? Warumhaßt er die freye Luft? M s.w." so.fühlt jeder sogleich den Ton der Ode.
So kann auch eine bloße Schilde-rung eines Gegenstandes, wenn sichwahre Leidenschaft und starke dichte-rische Laune darin mischt, zur Odewerden. Nichts anders ist die Odean die Tyndaris, als eine b'oße mitviel Affekt gezeichnete Schilderung