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den Gegenstand derselben blas anzu-zeigen, oder auch nur crrathen zulassen. Gar oft mischet er bcyläufigLehren, Anmerkungen, Vcrmahnung,oder Bestrafung, zärtliche, fröhliche,oder auch verdrießliche Apostrophen,in sein Lied. Seine Lehren und Sprü-che sind allemal von der Leidenschafteingegeben, und tragen ihr Gepräg.Darum sind sie zwar allemal nach,deutlich, dem in Affekt gesetzten Gc-müthe sehr einleuchtend, bisweilenausnehmend stark und wahr, andre-mal aber hyperbolisch, wie denn dieLeidenschaft insgemein alles vergrös-sert oder verkleinert, auch oft nurhalb, oder einseitig wahr. Denninsgemein denkt das in Empfindunggesetzte Gemüth ganz anders von denSachen, als die ruhigere Vernunft.Aber wo auch bei) der Leidenschaftder Dichter die Sachen von der wah-ren Seite sieht, wenn er ein Mannist, der tief und gründlich zu denkengewohnt ist: da giebt die Empfin-dung seinen Lehren und Sprüchenauch eine durchdringende Kraft, underhebt sie zu wahren Machtsprüchen,gegen die Niemand sich aufzulehnengetraut.
Am gewohnlichsten sind die Oden,darin dieser dreyfache Stoff abwech-selt! da der Dichter von einem Ge-genstand lebhaft gerühret, jede derverschiedenen Seclenkräfte an dem-selben übet; da Verstand, Phantasieund Empfindung bald abwechseln,bald in einander fließen. In diesenherrscht eine höchst angenehme Man-nichfaltigkeit von Gedanken, Bildernund Empfindungen, aber alle voneinem einzigen Gegenstand erwekt,der uns da in einem maniiichfaltigcnLicht aufcine höchst interessante Weisevorgestellt wird.
Es wird etwas zu endlicher Auf-klarung der Natur und des Charak-ters der Ode dienen, wenn wir durcheinige Beyspicle zeigen, wie ein Ge-danken, eine Vorstellung, die Aeus-
Lwitter Theil.
Ode 545
jerung einer Empfindung zur Odewird. Wir wollen diese Beyspiele ausdem Horaz, als dem bekanntestenOdendichter, wählen.
Die cilste Ode des ersten Buchesist nichts anderes, als dieser Satz:es ist klüger Oas Gegenwärtige zugenießen, als sich ängstlich umVas Rünftige zu bekümmern. Erist aas die kürzeste und einfachcsteWeise in eine Ode verwandelt. DieseVerwandlung wird dadurch bewürkt,daß der Dichter mit Affekt die Leu-konoe anredet, und den allgemeinenGedanken auf den besonder» Fall die-ser Person mitWärmc und ledhaftemInteresse anwendet, daneben allesniit starken poetischen Farben mahlet.Die zehnte Ode des zwcytcn Tuchsist die ganz gemeine Lehre, „daß einweiser Mann sich weder durch dasanscheinende Glük zu großen und ge-fährlichen Unternehmungen verleiten,noch durch jeden kleinen Anfall deswidrigen Glüks kleinmüthig machenläßt," höchst poetisch vorgetragenund ausgebildet. Der Dichter redeteinen Freund an, dem er diese Lehrein einem warmen dringenden Ton ein-schärft. Erst wird sie in einer kur-zen sehr mahlcrischen Allegorie vor-getragen.
Uetkiuz vlvcs, lUerni, ucgus sl-rum
Semper-ui-gucnäo, negue äum pr-Ncellsz
Lsucus hor-rekcii, uimium premeu-llc»
IUrru5 rniguum.
Denn folget eine affcktvolle Anprei-sung eines durch Mäßigung glük-lichcn Lebens, sehr kurz und lebhaftdurch ein paar wählerische Mcister-zügc ausgedrükt.
/Zuream guisguis meäiscr!»rem
Oiligic > rurus csrer obioleri
Lorciibus reöki, esrec iavillenllsSobrius suis.
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