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entworfen, vor Augen; endlich ist einedritte Art empfinomizsooll. Amöftersten aber ist dieser dreyfache Srosfin der Ode durchaus vermischt. Zuder ersten Art rechnen wir die Hym-nen und Lobgcsangc, wovon wir dieältesten Muster in den Buchern desMoses und in den hebräischen Psal-nien antreffen- Auch Pindars Odengehören zu dieser Art, wicwol sie ineinem ganz andern Geist gedichtetsind: insgemein aber sind sie nichtsanders, als höchst poetische Betrach-tungen zum Lobe gewisser Personen,oder gewisser Sachen. In diesenOden zeigen dicDiehter sich als Män-ner, die urtheilen, die ihre Beobach-tungen und Mcynungen über wichti-ge Gegenstände empfindungsvoll vor-tragen. Der darin herrschende Af-fekt ist Bewunderung, und oft sindsie vorzuglich lehrreich.
Zu der zwcytcn Art rechnen wirdie Oden, welche phantastereiche Be-schreibungen, oder Schilderungen ge-wisser Gegenstände aus der sichtba-ren Welt enthalten, wie HorazensOde an die blandusische Quelle, Ana-kreons Ode auf die Cicada und vielandere dieses Dichters. Man sieht,wie dergleichen Gesänge entstehen.Der Poet wird von der Schönheit ei-nes sichtbaren Gegenstandes mächtiggcrührct, feine Phantasie geräth inFeuer, und er bestrebt sich, das, wasdiese ihm vormahlt, durch seine» Ge-sang zu schildern. Bisweilen ist esihm dabey blos um diese Schilderungzu thun, wodurch er sich in der an-genehmen Empfindung, die der Ge-genstand in ihm verursachet hat,nähret: andremal aber veranlassetdas Gemähid bey ihm einen Wunsch,oder führet ihn auf eine Lehre, unddiese setzet er, als die Moral feinesGemähldes hinzu'). Von dieser Artist die Ode des Hora; an den Sex-tius *H, und viel andre dieses Dich-
*) S. Moral.
5») I-ib.i. oä.4.
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ters. Sie scheinet überhaupt diegrößte Mannichfaltigkeit des In-halts für sich zu haben. Denn die na-türlichen Gegenstände, wodurch dieSinne sehr lebhaft gereizt werden,sind unerschöpflich, und jede kannauf mancherlei) An ein Bild einersittlichen Wahrheit werden. DieseOden sind auch vorzüglich eines über-raschenden Schwunges fähig, durchden derDiehtcr seine Schilderung anseine sehr angenehme, meist unerwar-tete Weise auf eincn sittlichen Gegen-stand anwendet, wovon wir GleimsOde auf den Schmerlenbach zumBeyspiel anführen können. Mandenkt dabey, der Dichter habe nichtsanders vor, als uns den angench.mcn Eindrnk mitzuthcilen, den dle-ferBach aufihn gemacht hat; zuletztaber werden wir sehr angenehm über-rascht, wenn wir sehen, daß allesdieses blos auf das Lob seines Wei-nes abzielt: denn der Dichter sitzetam Ende feiner Schilderung hinzu:
Jedoch mein lieber Bacb,
Mit meinem Wein sollst du dich nichtvermischen.
Die dritte Art des Stoffs ist dercnipfinSuiigsvolle. Der Odendich-ter kann von jeder Leidenschaft bis zudem Grad der Empfindung gerührtwerden, der die Ode hervorbringt.Alsdenn besinget er entweder den Ge-genstand der Empfindung und zeiget»nsan ihm vas, was seine Liebe, seinVerlangen, seine Freude oder Trau-rigkeit, oder auf der andern Seiteseinen Unwillen, Haß, Zorn und sei-ne Verabscheunng verursachet; dieFarben zu feinen Schilderungen gicbtihm die Empfindung an die Hand,sie sind sanft und lieblich, oder feu-rig, finster und fürchterlich, nachdemdie Leidenschaft selbst das Gepräg ei-nes dieser Charaktere trägt; oder erschildert den Zustand seines Herzens,äußert Freude, Verlangen, Zärtlich-keit, kurz, die Leidenschaft, die ihnbeherrscht, wobcy er sich begnüget