Druckschrift 
3 (1793) [K - Q]
Entstehung
Seite
543
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Ode

wegen Mäßigung und Gelindigkeiteinstoßen. Nun giebt er einen nochoffenbaren Wink, um durch eineneue Allegorie zu zeigen, wie eswürk-sich leicht sch, mit Ueberlegung undWeisheit selbst gegen die Auflehnungeiner Noch größern Macht sich in Si-cherheit zu setzen, und allenfalls dieAufruhrer, die insgemein sich ihrerMacht auf eine unbesonnene Weisebedienen, zu zahmen. Endlich giebter noch eben soverdekt und allegorischden Rath, durch eine gerechte undbillige Staatsverwaltung die Göt-ter für die neue Regierung zu interes-sircn, die alle auf Unrecht gehendeGewalt verabscheuen und bestrafen.

Dieses ist überhaupt derWeg, dender Dichter gerne nimmt, um vonsehr bedenklichen und gefahrlichenDingen mit Behutsamkeit zu spre-chen, und darin gleichet er dem So-lo», der sich narrisch anstellte, umdem atheuicnsischcn Volk einen demStaate nützlichen Rath zugeben, dener ohne Lebensgefahr geradezu nichtgeben durfte.

Wir haben die verschiedenen Artender Ode in Absicht auf den Ton undden Plan oder Schwung derselbenbetrachtet. Eben so ungleich ist siesich selbst auch in Ansehung des In-halts, oder der Materie, die sie be-arbeitet. Sie hat überhaupt keinenihr eigenen Stoff. Zeder gemeineoder erhabene Gedanken, jeder Ge-genstand, von welcher Art er sei),kann Stoff zur Ode geben; es kommtdabey blos darauf an, mit welcherLebhaftigkeit, in welcher wichtigenWendung, und in welchen? hellenLichte der Dichter ihn gefaßt habe.Wer, wie Klopsiok so jcherlich denkt,von Empfindung so ganz durchdrun-gen wird, oder eine so hoch fliegendePhantasie har, findet Stoff zur Ode,da, wo ein andrer kaum zu einigerAufmerksamkeit gereizt wird. Wer»als ein Mann von so einzigem Genie,würde einen Stoff, wie in der Ode

Ode zzz

Gponda, ich will nicht sagen in sohohem fcyerlichen, sondern nur in ir-gend einem der Leyer, oder der Flöteauflandigen Tone haben besingenkönnen ? Der wahre Odendichtcr siehteinen Gegenstand, der mancherlei)liebliche Phantasien, oder auch wich,tige Vorstellungen, oder starke Em-pfindungen in ihm crwekt: tausendandre Menschen sehen denselben Ge-geusiand mit eben der Klarheit, unddenken nichts dabei). Des DichtersKopf ist mit einer Menge merkwürdi-ger Vorstellungen angefüllt, die wiedas Pulver sehr leichte Feuer fangen,und auch andere daneben liegendeschnell entzünde».

Der gewöhnlichste Stoff der Ode,der auch Dichter von eben nicht aus-serordentlichem Genie zum Singenerwekt, ist von leidenschaftlicher Art;und unter diesen sind die Freude, dieBewunderung, und die Liebe die ge-meiucsten. Die beydeu erstern sindallem Ansehen nach die ältesten Ver-anlassungen der Ode, so wie sie esvermuthlich auch von Gesang undTanz sind, die allem Ansehen nachursprünglich mit der Ode verbundengewesen. Der noch halbwilde, sowie der noch unmündige Mensch äus-sert diese Leidenschaften durch Hüpfen,Frohloken und Jauchzen. Ein scher-liches Traurcn, das bey dem »ochganzuatürlichenMeuscheu in Heulenund Wehklagen ausbricht, scheinethicnächst auch Oden veranlasset zuhaben; durch Nachahmung solchervon der Natur selbst eingegebenenOden, ist der Stoff derselben man-nichfaltiger worden.

Man kann überhaupt die Ode inAbsicht auf ihre Materie in drcyerleyArten eintheilen. Einige sind de«rracbwno, und enthalten eineaffckt»volle Beschreibung oder Erzählungder Eigenschaften des Gegenstandesder Ode; andre sind pkaniasieveich,und legen uns lebbaftc Schilderun-gen, von einer feurigen Phantasie

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