542 Ode
tyus und den Pirithous betroffen.Und damit ist die Ode zu Ende.
Hier kann man kaum errathcn,was für ein Gegenstand, oder wasfür ein Gedanken den Dichter so leb-haft gerührt hat, daß er in einem fofeurigen Ton erst die Calliope vomHimmel ruft, denn fo sehr gegeneinander abstechende Vorstellungen indiesem Gesang vereiniget. Won denAuslegern des Horaz sagt einer die-ses, ein andrer etwas anderes, undeinige getrauen sich gar nicht dasRathsel aufzulösen; so sehr verstektist oft der Plan des Odcndichters.
Weil es doch überhaupt einigesLicht über die Theorie der im Plansehr verstellen Ode verbreiten kann,so will ich meine Gedanken über dieVeranlassung und den Plan dieserOde hieher zu setzen wagen, denBaxter, wie höhnisch auch unsersonst fürtrefflichc Geßner dabey lä-chelt, wie mich dünkt, wenigstenszur Halste errathcn hat.
Casar hatte nun alle Vcrthcidigerder Freyhcit, und zuletzt auch seineMitiyrannen überwunden, und warallein Herr über alles. Horaz moch-te in einer vertraulichen Stunde miteinem Freund, vielleicht dem Ma-unas, über die Lage der Sachen sichunterredet haben: dabey kann einemvon ihnen der Gedanken aufgestoßenseyn, daß diese, auf so große Machtgegründete Herrschaft, vielleicht dochnicht sicher genug sey. Diese Vor,siellung rührte den Dichter auf daslebhafteste, und dazu war freylichdie Sache wichtig genug. Nun falltihm ein, wie dieser Herrschaft einevöllige Sicherheit zu verschaffen wäre.Casar müßte die Künste der Musenin Flor bringen, dabey sich durch-aus einer gelinden Regierung befieis-sen, und alles mit großer, aber wahr-haftig weiser Ueberlegung veranstal-ten. Es sey nun, daß der Dichterfeine Gedanken hierüber blos seinemFreund zu eröffnen, oder gar dcn Ca-
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sar selbst errathen zu lassen, sich vor«gesetzt habe, so war allemal die Sa-che höchst bedenklich, und konnte we-der allzudeutlich, noch geradezu ge-sagt werden. Darum nimmt derDichter einen großen Umweg, undüberlaßt dein, für welchen die Odsgeschrieben worden, zu errathen, waser damit habe sagen wollen. -
Die feyerlichc Anrufung der Cal-liope ist schon zweydeutig: mankonnte sie auslegen, daß der Dichterdie Göttinn um ihren Veystand fürdiesen CK'sang anrüste; aber er meyn-te cS so, sie soll kommen, um mitallen Reizungen ihrer Gesänge demCasar bcyznstchen, und durch Er-munterung vieler Dichter seinenZeiten Glanz und manuichsaltige An-nehmlichkeit zu geben. Er sieht auchden Anfang dieser guten Zeit: aberer will nicht zu offenbar sprechen; erkommt plötzlich auf sich selbstzurüke,ohne den Hauptgedanken fahren znlassen, und erzählt, oder erdichtet,wie die Musen ihn, weil ein Dichteraus ihm werden sollte, beschützt ha-ben, und noch beschützen. Dieses isteine Art Allegorie, wodurch er zuverstehen giebt, daß der, der nichtsgefährliches, nichts gewaltthatigesgegen andre im SinNe hat, sondern,wie ein unschuldiger Dichter, blossich zu ergötzen sucht, sonst keine An-sprüche macht, und jedem seine Artlaßt, auch nie etwas zu befürchtenhabe. Dieses drükt er sehr poetischaus, daß die Musen ihm sichernSchutz angedcycn lassen. Damitbestätiget er zwey Satze auf einmal;den, daß eine angenehme Regierungsicher sey, und den, daß der Regentwenigstens den Schein annehmensoll, als wenn er gegen Niemand et-was gewaltthatiges im Sinn habe.Nun kommt er wieder ganz natürlichund ohne Sprung, ob es gleich soscheinet, auf den Casar, der auch indiesem Fall sey, weil er sich auch mitden Musen beschafftiget, die ihm des-wegen