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Daher ist zu vermuthen, daß jedewürkliche Ode, sie sei) hebräischen,griechischen, oder keltischen Ursprun-ges, in dem Klange mehr Musik ver-rathcn wird, als jede andere Dich-kungsart- Dieses liegt in der Natur.Als mau nachher die von der Na-tur erzeugten Oden zum Werk derKunst machte, dachte man vielfältigüber das Sylbcnmaaß nach, und dasfeine Ohr der griechischen Dichterfand mancherlei) Gattungen dessel-ben Die Anordnung der Versein Strophen, die nach einem Musterwiederholt werden, scheinet blos zu-fällig zu seyn, ob sie gleich itzt bey-nahc zum Gesetz geworden.
Dieses scheinet also der allgemeineCharakter aller Oden zu seyn.
In besondern Zügen aber herrschteine unendliche Mannichfaltigkeit.In dem Ton ist sie entweder hoch,auch wol durchaus erhaben, oder sieist blos ernsthast und pathetisch, odergar wol nur klein, launisch, oderlieblich. So viel Schattirungen desTones von der durchdringendenTrompete und stürmenden Pauke, bisauf den sanften Ton der Flöte sind,so vielfältig kann der Ton seyn, inwelchem der Odcndichtcr singt: undin dem Ton ist die Ode bald durch-aus gleich, bald steigend, bald fal-lend. Eben so mamüchfaltig ist siein dem Plan, oder der Ordnung derGedanken. Bisweilen läßt sie unsden Dichter in lebhafter Empfindungsehen, deren Veranlassung w>r nichtwissen, bis er ganz zuletzt jdcn Ge-genstand kurz anzeiget, der ihn indiesen außerordentlichen Zustand ge-setzt hat. So ist Klopstoks Ode anBodmcr. Der Dichter fängt unge-mein feyerlich und pathetisch an:Oer die Schillingen lenkt, heißet denfrömmsten Wunsch
Mancher Seligkeit goldenes BildOst verwehen, und ruft da Labyrinthhervor,
Wo ein Sterblicher gehen will.») S. Sylbenmgaß; Versart.
Ode
In diesem Ton und in diescrMatcrieüber die verborgenen Wege der Vor-sicht fahrt der Dichter bis gegen dasEnde fort, ohne uns merken zu las.sen, wodurch diese feyerlich ernsthaf-te Betrachtung veranlasset worden.Ganz am Ende cutdckeu wir sie, dader Dichter sie kurz anzeiget, und nunschweiget. Er kommt zuletzt auf die-se Betrachtung:
Ost erfüllet er (Gott, der das Schilfa!geordnctd auch, was das erzitterndePolle Herz kaum zu wünschen wagt.
Wie von Trstumcn erwacht, sehen wirdenn unser Glük,
Sehn» mit Augen und giaubcus kaum.
Und mm zeiget er uns erst die Veran-lassung aller dieser Betrachtungen,indem er schließt:
Dieses Glüke ward mir, als ich zumerstenmalBöhmers Armen entgegen kain.
Anderemal läßt der Dichter gleichanfangs den Gegenstand, der ihn be-lebt, sehen, verweilet sich kurz dabei),verliert ihn denn aus dem Gesicht,und hält sich bis ans Ende mit Acus-ftrung der Empfindungen auf, die erin ihm veranlasset hat. Ein Bey-spiel hievon gicbt unsHorazens Odeauf den über die See fahrenden Vir.gil. Der Dichter zeiget un6 gleichseinen Gegenstand, indem er mit demWunsch anfängt, daß das Schiff,dem die Hälfte feiner Seele anver-traut ist, glüklich fahren möge.Denn verläßt er diesen Gegenstand;die Sorge für feinen Freund füh-ret ihn auf verdrießliche Betrach-tungen über die Kühnheit der Men-schen, die es zuerst gewagt ha-ben, die See zu befahren; dannkommt er m dieser Laune auf nochallgemeinere Betrachtungen über dieVerwegenheit der Menschen, diealles wagt, was sie nicht wagensollte, bis er mit dem übertriebenenGedanken schließt: