5Z8 Ode^
Nischen fürtrefflichen Chor lVlora etc.ans der Oper Iphigenie, sehen kann.Das reine Verhältnis; der Octavegegen den Grundton ist z., oder-5 n. s. f. und an diesem Verhaltnißdarf nichts fehlen, sonst wird sieuuerrraglich. Daher hat die Octavevon allen Intervallen dieses eigen,daß sie nicht anders, als rein er-scheinen darf.
Ode.
(Dichtkunst.)
Äas kleine lyrische Gedicht, demdie Alten diesen Namen gegeben ha-ben, erscheinet in so mancherlei) Ge-stalt, und nimmt so vielerlei) Charak-tere und Formen an, daß es unmög-lich scheinet, einen Begriff festzuse-tzen, der jeder Ode zukomme, und siezugleich von jeder andern Gattungabzeichne. Von der Eiche bis zumRosenstrauch sind kaum so viel Gat-tungen von Baumen, als Arten die-ses Gedichtes von der hohen pinda-rischcu Ode>bis auf die scherzhafte,niedliche Ode des Anakreons. Esscheinet, daß die Griechen den Cha-rakter dieser Dichtungsart mehrdurch die äußerliche Form und dieVcrsart, als durch innerliche Kenn-zeichen bestimmt haben. Die neuernKunsirichrer geben Erklärungen da-von, und bestimmen ihren inncrnCharakter; aber wenn man sich ge-nau daran halten wollte, so müßteman manche pindarischc und hora-zische Ode von dieser Gattung aus-schließen.
Nur darin kommen alleKnnstrich-ter mit einander übcrein, daß dieOden die höchste Dichtungsart aus-machen, daß sie das Eigcnthümlichedes Gedichts in einem höhern Gradzeigen, und mehr Gedicht sind, alsirgend eine andere Gattung. Wasden Dichter von andern Menschen un-terscheidet, und ihn eigentlich zumDichter macht, findet sich bey dem
O d e
Odendichter in einem höhern Grad,als bey irgend einem andern. Die-ses ist nicht so zu verstehen, als obzu jeder Ode mehr poetisches Genieerfodert werde, als zu jedem andernGedicht; daß'Anakreon ein größererDichter sey, als Homer: sondern so,daß die Art, wie der Odendichrer injedem bcsoudernFalle seine Gedankenund seine Empfindung äußert, mehrPoetisches an sich habe, als wennderselbe Gedanken, dieselbe Empfin-dung in dem Ton und in der Art desepischen, oder eines andern Dichters,wäre an den Tag gelegt worden.Was er sagt, das sagt er in einempoetischen Ton, in lebhafter« Bil-dern, in ungewöhnlicherer Wen dung,mit lebhafterer Emvfindung, als einandrer Dichter. Mit einem Wort,er entfernet sich in allen Stüken wei-ter von der gemeinen Art zu sprechen,als jeder andere Dichter. Dieses istsein wahrer Charakter.
Deswegen aber ist nicht jede Odeerhaben, oder hinreißend; aber jedeist in ihrer 'Art, nach Maaßgebuugdessen, was sie ausdenkt,, höchstpoetisch; ihr Nusdrnk, oder ihreWendung hat allemal, wenn auchder Inhalt noch so klein, noch so ge-ring ist, etwas Außerordentliches,das den Zuhörer überrascht, mehroder weniger in Verwunderung setzet,oder doch sehr einnimmt. Um dieseszu fühlen, lese man die zwanzigsteOde des ersten Buchs vom Horaz.Mäccuas bat sich selbst bey dem Dich-ter zu Gaste; in der gemeinen Spra-che würde dieser ihm geantwortet ha-ben: cdn kannst kommen, wenn Oumit schlechter»»? Weinsi als Oesi'enVn gewohnt Vitt, oorliev nehmenwilltt. Ein Dichter, der sich nichtbis zum Ton der Ode heben kann,würde dieses etwas feiner und witzi-ger sagen: Horaz abergiebt dem Ge-danken eine Wendung, wodurch erden cmpfindungsvollen sapphischenTon vorträgt; und indem er ihn in