Druckschrift 
3 (1793) [K - Q]
Entstehung
Seite
537
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O c t

Zeit, da die Saytc des Grundtoneseine macht. ^Nan kann also sagen,die Octave sey zwcymal hoher, alsihrGrnndton. Sie hat denNamcndaher bekommen, daß sie in dem dia-tonischen System die achte Sayte vomErundton ist. Also kommt auf derachten diatonischen Sayte der Tonder ersten, oder untersten, noch ein-mal so hoch wieder. Eben so wie-derholt dic ncuncc Sayte den zweytenTon, oder die Secunde, die zehnteden dritten Ton, oder die Terz u. s f.Deswegen kann mansagcn, daß alleTone des Systems in dem Bezirkder Octave enthalten seyen; weil her-nach dieselben Töne in den folgendenOcraven zweymal, viermal, achtmaln. s. f. erhöhet, wieder kommen,Also hat unser diatonisches Systemnicht mehr, als sieben verschiedeneTöne, oder Intervalle, welche aberdurch den ganzen Umfang der ver-nehmlichen Töne, um zwey oder mchr-mal erhöhet wieder kommen. Dar-um nannten die Griechen die OctaveOispslon sät« ?a!!7«v), das ist dasIntervall, das alle Saylcn des Sy-stems in sich begreift. Und darauslaßt sich auch verstehen, was derAusdruk sagen will, der Umfangaller vernehmlichen Töne sey vonacht Gccaven *).

Das Wort Octave hat also einendoppelten Sinn; bisweilen bedeutetes den ganzen Raum des Systems,in sosern alle Töne darin enthaltensind, keiner aber erhöht wiederholtwird. Diesen Sinn hat es in der soeben angeführten Redensart; auchwenn man von einem Clavicr sagte,es habe einen Umfang vonfünfOcla-ven. Denn bedeutet das Wort auchdas Intervall, dessen Beschaffenheitvorher beschrieben worden. Bcy die-ser Bedeutung ist zu merken, daßnicht nur die achte diatonische Sayteeines Tones, die seine eigentlicheOctave ist, sondern auch die funf-

*) S. Umfang.

O c t sZ?

zehnte, oder die Octave jener Octave,ingleichen alle folgenden, acht, sechs-zehn und zz mal höhere Töne, denNamen der Octave des Grundtonesbehalten; weil alle auf dieselbe voll-kommene Weise mit dem GrundtonHarmoniren.

Die Octave, als Intervall betrach-tet, hat von allen Intervallen dievollkommenste Harmonie; aber ebendarum hat sie auch den wenigstenharmonischen Reiz. Der Grundron,blos mit seiner Octav angeschlagen,reizet das Gehör wenig mehr, alswenn er ganz allein gehört wordenwäre. Angenehmer aber ist es, wenner von seiner Quinte oder von seinerTerz begleitet wird; weil man in die-sen beyden Fallen die Heyden Tönebesser unterscheidet, und dennoch einegute Ucbereinstimmung derselben em-pfindet. Deswegen sagen die Ton-setzer, die Octave klinge leer, undverbieten sie, wo nur eine Haupt-stimme ist, anders zu setzen, als imAnfang, oder bcy einem Schluß.Eben darum wird sie auch in dembegleitenden Generalbaß oft wegge-lassen, und dafür die Terz, oder dieSexte verdoppelt, weil dadurch dieHarmonie reicher wird.

Daher kommt es auch, daß zweyOctavcn nach einander, auf - oderabsteigend, z. E. also:

-n

a

- i ^

. ^

- ,^ -

t - -l

^ "st

W11

... ^

n

^

gegen andere consonircnde Intervallesehr matt klingen, und in dem Satzscharf verboten werden. Hingegenthut auch eine ganze Reyhe solcherOctaven bcy außerordentlichen Gele-genheiten, da der Ausdruk etwasfürchterliches crfodcrt, sehr guteWürkung, wie man in dem Erau-v l 5 Nischen