Druckschrift 
3 (1793) [K - Q]
Entstehung
Seite
515
Einzelbild herunterladen
 

N e b

Nebenpfeiler.

(Baukunst.)

Aie neben den Säulen, oder Haupt-pfeilern einer Vogenstellung stehendenkleinern Pfeiler, auf denen die Logenaufstehen. Die Art, wie stc ange-bracht werden, ist in der im ArtikelBogenstellnng befindlichen Zeichnungzu sehen. In Bogenstellungen findsie wesentliche Theile, weil sie die Lo-gen unterstützen müssen. Sie beste-hen, wie die Hauptpfeilcr, aus drei)wesentlichen Theilen, dem Stamm,dem Fuß, und dcni Knanff, der hierKampfer, oder Imposi genenntwird.Aber der Fuß der Nebenpfeiler ist al.lemal ohne Glieder, und eine bloßePlinthc; der Kampfer aber wird nichtnach Art des Kuauffs der Säulenoder der Hauptpfeiler, sondern nachder Art eines bloßen Gesimses ge-macht. Was übrigens wegen derHohe und Verhältnisse der Neben-pfeiler zu beobachten ist, kommt inden Artikeln Bogenstellnng und Käm-pfer vor.

Nebensachen.

(Schöne Künste.)

Sind Sachen, die in Werken derKunst der Hauptsache, wodurch dieabgezielte Vorstellung würklich er-wekt wird, noch beygefügt werden.In einem historischen Gemahlde sinddie handelnden Personen die Haupt-sache: sie allein, ohne irgend etwashinzugefügtes, erwcken die Vorstel-lung der Handlung, die dcr Zwek dcsWählers war. Was zur Sccne ge-Hort, ist Nebensache. Im Dramasind die Personen, ohne welche dieHandlung nicht vollständig konnteverrichtet werden, ihre Charaktere,Anschläge und Unternehmungen, wo-durch der Ausgang der Sache seineBestimmung bekommt, die Haupt-sachen. Der Ort, wo die Handlunggeschieht, die Personen, die in der

Neb SlS

Natur der Handlung, in den Ver-wiklungen, Auflosungen und im Aus-gang derselben nichts ändern, sindNebensachen.

Es ist eine Hauptregel, die manjedem Künstler vorschreibt, und derenGründlichkeit in die Augen fallt, daßsie durch Nebensachen die Würkungder Hauptsachen nicht schwächen sol-len. Dieses geschieht aber allemal,wenn die Nebensachen hervorstechendoder durch irgendetwas so merkwür-dig sind, daß sie die Aufmerksamkeitvon der Hauptsache abziehen. Sowie eine schone Person sich schadet,wenn sie in einem Putz erscheinet, derdas Auge vorzüglich anloker, daß dieLust, die ihr wesentliche Schönheitzu betrachten, geschwächt wird: sogeht es auch mit den Werken derKunst. Es giebt Portraitmahler, diegewisse Nebensachen in der Kleidung,oder dem, was zum Putz gehöret,mit so großem Fleiß bearbeiten, oderso hervorstechend anbringen, daß dieAufmerksamkeit vorzüglich daraufgerichtet, und der Hauptsache, demGesicht und der Stellung der Personentzogen wird.

Der Künstler thut überhaupt, inwelcher Art er arbeitet, sehr wohl,wenn er sich gar aller Nebensachen,außer denen, wodurch die Hauptsa-chen vortheilhaftcr erscheinen, völligenthalt. Denn dadurch erreicht erdie wahre Einfalt der Natur» dienichts übcrstüßiges in ihre Werkebringet. Gerade so viel, als genugiir; sollte die Maxime jedes Künstlersbey Erfindung und Bearbeitung sei-nes Stoffs seyn. Der Dichter, derzu einer Vorstellung gerade so vielBegriffe zusammengestellt hat, als znErreichung des Zweks nölhig waren,soll nichts mehr zur Zierrarh ein-fliken. Der dramatische Dichter, derdie zur.Handlung nothwendigen Per-sonen zusammengebracht hat, soll nieauf mehrere denken, um die Schan-

K k » bühn«