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unter uns ist. Seit kurzem scheineneinige deutsche Dichter und Kunst-richlcr es zur Regel zu machen, jenerohere Natur, wegen ihrer vorzugli-chen Energie zu poetischen Schilde-rungen vorzuziehen. Dagegen habenwir schon an einem andern Ort*) eini-ge Erinnerungen vorgebracht. Hiermerken wir noch an, daß überhauptein Dichter den besonder?! Zivek sei-nes Werks wol zu überlegen hat, umdie Wahl derGegcnstande darnach zubestimmen. Ist es seine Absicht bloßeSchilderungen zu machen, die durchdie Starke der natürlichen Empfin-dungen rühren sollen: so mag er im-mer den Stoff aus der rohcstcn Na-tur nehmen; wir werden seine Schil-derungen mit Vergnügen sehen, undsie werden uns zu verschiedenen Be-trachtungen über die menschliche Na-tur Gelegenheit geben; so wie dieErzählungen dcrReisebeschrcibcr, dieunrer die wildesten Volker gerathenoder in die außerordentlichsten Un-glüksfalle gestürzt worden sind, unsin Erstaunen setzen, und mancherlei)Betrachtungen veranlassen. Wirwerden solche Gedichte lesen, wiewir die Schilderungen eines Homers,Oßians und Theokrits lesen. Aberso bald der Dichter nicht blos in-teressant, sondern nützlich seyn will:so muß er bcy der Natur bleiben,wie sie sich itzt unter uns zeiget. Esäst schwerlich abzusehen, was für ei-nen Nutzen ein Drama auf einer eu-ropäischen Schaubühne Haben könn-te, dessen handelnde Personen Carai-ben, oder Huronen in ihrer wahren,höchst kraftigen Natur wären. ZumUnterricht für den Philosophen, dergerne den Menschen in seiner rohe-sien Natur vollkommen gut geschil-dert zu sehen wünschet, könnte dasWerk allerdings dienen. Aber die-ses liegt außer demZwek der schönenKünste.
») S. Nachdruk.
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Ich weiß wol, daß man die fran-zösischen Tragödiendichter durchge-hends darüber tadelt, daß sie gricchi-sehen Helden französische Sitten undCharaktere geben. Aber ihre Trauer-spiele würden darum noch nicht besserseyn, wenn sie einen Agamemnonund andre Personen aus jener Zeit»ach der Wahrheit schilderten. DerFehler liegt in der Wahl de» Stoffsselbst, der sich für Frankreich und fürdie Sitten des Landes nicht schiket.Je mehr eine Nation ihre Sittendurch Vrrnunft und Geschmak verfei-nert hat, je mehr müssen auch dieWerke der Kunst diese Stimmunghaben, wenn sie einet? der Kunst an-ständigen Zwek erreichen solle».
Von dem Natürliche?» übech. han-delt Gcing in s. Aesthetik, S. 251U. f. —>Eine Abhandln»« über das Natürliche inder Dichtkunst, findetsich in dein Neuengemeinnützigen Magaz. Bd. z. S. Z87.und bei) den lyrischen, elegischen und ep!>sehen Poesien, Hülle »759. 8. Du
dlsnirel clsns ie? ouvisge? «l'essi-ic han-delt Trudlet in? -ten Bd. s. llilln? S.?9q. llsr. 1762. >2. — Feine Bemer-kungen über das Natürliche in derSchreibart überhaupt in dem 5tcn Kap.des 4ten Buches von Condiliac's Kunstzu schreiben, in? -teu Vd. seines Unter-richts in allen Wissenschaften S. qg» u.f.
der d. Uebers. Bern 177,7. 8.- In
Ansehung der Mablerc)» gehört der Auf-satz des de Pilcs: Du vrai (ianz la peili-rure, in s. Lvues llc peiururs gorprincipe,? (S. 2Z. 17ÜS. 12.) wohlhierher. ----- Ob Euripidcs, wie Hr. S.sagt, dadurch, daß er dcnJnnhalt seinerStücke ankündigen läßt, gerade unna-türlich iverdc, lasse ich dahin gestelltseyn: nur werden die Leser gut thun, überdiesen Punkt die Lcssingsche Dramaturgie,I. S. Z82. Leipziger Nachdruck, zu Rachezuziehen, ehe sie den Lichter verdam-men. — —
Neben-