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3 (1793) [K - Q]
Entstehung
Seite
513
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Aber höchst schwer ist dieser Theilder Kunst: denn in den meisten Fal-len hanget das, was eigentlich dazugehört, von so kleinen und im einzelnbeynahc so unmerklichen ^Umstandenab, daß der Künstler selbst nichtrecht weiß, wie er zu verfahren hat.So wußte jener griechische Mahlernach vielen vergeblichen Versuchennicht, wie das Schäumen eines inWuth gesetzten Pferdes natürlich vor-zustellen sey, und der Zufall, da eraus Verdruß den Pinsel gegen dasEemählde warf, bewürkte, was erdurch kein Nachdenken zu erreichenvermögend gewesen. Die völlige Er-reichung des Natürlichen scheinet al-lerdings das schwerste der Kunst zuseyn.

In Handlungeil, die sich zur epi-schen und dramatischen Poesie schiken,wird die Verwiklung und allmähligeAuflösung oft durch eine Menge klei-ner Umstände bestimmt, die zusam-mengenommen das Ganze bewürben.Laßt der Dichter einen davon weg,oder setzet er einen falschen an dieStelle eines wahrhaften, so wird al-lcs unnatürlich. Oft aber, wenn eralles, was zur Natur der Sache ge-höret, anbringen will, wird er schwer-fällig , oder verworren. Darum istes so sehr schwer, im Drama dasNatürliche in Anlegung der Fabelund Entwiklung der Handlung zu er.reichen. Eine Menge französischerSchauspiele werden gleich vom An-fang schwer und verdrießlich; weilman die Bemühung des Dichters ge-wahr wird, uns verschiedenes bemer-ken zu lassen, wodurch das folgendenatürlich werden sollte. Es ist nichtgenug, daß im Drama alles da sey,was die Folge der Handlung be-stimmt : es muß auf eine ungezwun-gene Weise da seyn. Dieses wußtenSophokles und Terenz am vollkom-mensten zu veranstalten. 'Euripidesaber wird nicht selten durch die An-

Drifter Thrill

Not ziz

kündlgung des Inhalts in den erstenScenen unnatürlich.

Auch in den Charakteren, Sittenund Leidenschaften ist das Natürlicheoft uiigcmcin schwer zu erreichen.Entweder sind gewisse charaktcristi-sche Züge für sich schwer zu bemerken,oder es ist schwer, sie, ohne steif zuwerden, zn schildern. Darum ge-lingen auch vollkommen natürlicheSchilderungen dieser Art nur großenMeistern. Unter unfern einheimi-schen Dichtern kenne ich außer Wie-landen keinen, dem die natürlicheSchilderung dieser sittlichen Gegen»stände so vollkommen gelinget; dochwill ich weder Hagedorn, noch Klop-stokcn, noch Gcßnern ihr Verdiensthierin streitig machen. In Leiden-schaften ist Shakespear viclleich vonallen Dichtern der glükkichste Echil-derer. Ucberhanpt aber können inAbsicht auf das Natürliche in allenArten der dichterischen Schilderungendie Alten, vornehmlich Homer undSophokles, als vollkommene Mustervorgestellt werden. In zärtlichen Lei-denschaften aber steht Euripides kei-nem nach.

Wir können diesen Artikel nichtschließen, ohne vorher eine wichtigehier einschlagende Materie zn berüh-ren. In sittlichen Gegenständen gicvtes eine rohere und eine feinere Na-tur: jene herrscht unter Völkern, bcydenen die Vernunft sich noch-weuigentwikclt hat; diese zeiget sich in sehrverschiedenen Graden nach deniMaas«se, nach welchem die Künste, Wissen-schaften, die Lebensart und die Sit-ten, den Einfluß einer langen Bear-beitung erfahren haben. In der ro,hcn sittlichen Natur liegt mehr Star-ke; die Leidenschaften eines Huronssind weit heftiger, seine Unterneh-mungen kühner, als sie in ähnlichenUmstanden bey einem Europäer sind.So sind auch Homers Krieger in ih-renHandlungcn heftiger und in ihrenReden nachdrüklicher, als man itzt

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