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kommener Einfalt, ohne alle Neben-absichten, ganz seinem Gefühl über-laßt, ohne daran zu denken, daß erauf eine gewisse gelernte Weise han-deln müsse.
Das Natürliche ist eine der vor-züglichsten Eigenschaften der Werkeder Kunst; weil das Werk, dem esmangelt, nicht völlig das ist, was esseyn soll, und weil diese Eigenschaftschon an sich die Kraft hat, uns zugefallen. Diese bcydcn Satze verdie-nen etwas entwikelt zu werden.
Der Zwck der schönen Künstemacht es nothwendig, daß uns Ge-genstände vorgehalten werden, dieuns intcressiren, die nnsre Aufmerk-samkeit fesseln, und denn die beson-dere ihrem Zwek gemäße Würkungaufdie Gemürhcr thun. Nun ist zwi-schen den in der Natur vorhandenenDingen und dein menschlichen Ge-müts) eine so genaue Harmonie, alszwischen dem Element, darin einThier zu leben bestimmt ist, und demBau seines Körpers: die Natur hatunsere Sinnen, und die Empfindsam-keit, daraus alle Begierden entste-hen, nach den in der Schöpfung vor-handenen Gegenständen, die uns in-tercssircn sollten, genau abgepaßt;und wir haben kein Gefühl, als fürd-.e Dinge, die von der Natur selbstfür uns gemacht sind. Will manuns also durch die Kunst rühren, somuß man uns Gegenstände vorlegen,welche die Art und den Charakter dernatürlichen haben. Je genauer derKünstler dieses erreicht, je gewisserkann er die gesuchte Würkung von sei-nem Werk erwarten.
Daraus folget nicht nur, daß erUns nichts schimärisches, nichtsphantastisches, der Natur widerstrei-tendes vorlegen soll; sondern daßauch die nach der Natur gebildetenGegenstände ganz natürlich seyn müs-sen, um tue völlige Würkung zuthun. Sie müssen uns tauschen, daßwir ihre Würklichkeit zu empfinden
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venneynen. Kinder kann man bat
durch rühren, daß man die Händevor das Gesicht hält, und sich an-stellt, als ob man weinte; aber er-wachsene Menschen würden dabcyden Betrug bald merken. Diese zutäuschen erfodert eine genaue Nach,ahmung des Weinens.
Daher geschieht es gar oft, beson-ders im Schauspiel, daß der Man-gel des Natürlichen, er komme vondem Dichter oder von der schlechtenVorstclluug des Schauspielers, eineder abgezielten gerad entgegenstehen-de Würkung thut, daß man lacht,wo man weinen sollte, und verdrieß-lich wird, wo man sollte lustig seyn.So sehr kann der Mangel des Na-türlichcn die gute Würkung derkünstlichen Gegenstände vernichten.Es gcschiehet in dem Leben nicht sel-ten, daß bey einer betrübten Sceneein einziger unschiklicher und unnatür-licher Umstand Lachen erwekt: wieviel leichter muß dieses bey blos nach-geahmten Scenen dieser Art gesche-hen? Darum erfodert das Dramavornehmlich die höchsteNatur, sowolin der Handlung selbst, als in derVorstellung, da der geringste unna-türliche Umstand alles so leicht ver-derbt.
Aber auch ohne Rüksicht auf dieder Natur des Gegenstandes angemes-sene Würkung, hat das Naturlichean sich eine ästhetische Kraft, wegender vollkommenen Achnlichkeit. EinGegenstand, der in der Natur keinesMenschen Aufmerksamkeit nach sichziehen würde, kann durch die Voll-kommenheit der Nachahmung in derKunst ausnehmend vergnügen, wo-von wir anderswo den Grund angc-zeigct haben '). Da das Interessedes Künstlers erfodert, daß sein Werkgefalle, so muß er es auch deswegennatürlich machen.
Aber
S. Achnlichkeit.