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Deswegen sind blos in dieser Absichtdie Werke des Gcschmaks, darindurchaus naive Empfindungen undSitten vorkommen, höchst schatzbar;weil sie den Geschmak an der edlenEinfalt einer durchaus guten und lie-benswündigcnNatur unterhalten undverstärken.
Das Naive in den Gedanken thutda, wo man überzeugen, entschuldi-gen oder widerlegen will, die größteWnrkung; denn es führet das Ge-fühl der Wahrheit unmittelbar mitsich. In der Elektra des Sopho-kles wird dicfc unglükliche Tochterdes Agamcmnons von der Cly-tcmnestra beschuldiget, sie suche durchihre Klagen ihrer Mutter Redenund Handlungen verhaßt zu machen.Hierauf gicbt Elektra diese höchstnaive Antwort, die keiner Gegen-rede Raum laßt. „Diese Redenkommen von dir, nickt von mirher, du tbusi Sie v?crkc, die ickblos nenne *)." Sehr naiv und ebendadurch überzeugend ist auch folgen-des; wiewol das Weitschwcifendedieser Stelle vielleicht zu tadeln wäre.Pseudolus gicbt seinem verliebtenjungen Herrn, den er durch sein vie-les Fragen verdrießlich gemacht hat,folgende Antwort:
8i ex rc rsceure ticri pollem ccrrlor,licrc, <zus,e inilerisc rc ttm inilere
lnsceranr,l )uorum Ickori egc> dominum psr»
lillcm lubenz,
Hlei re rogsncli et rui respcincicnllimidi.
I^unc guouism ici lieri nun polell,
necellirzsUc lubigir, uc rc rogirem *).
Der Redner, dem es gelinget denwahren Ton der Einfalt und des nai-ven Denkens zutreffen, kann versi-chert seyn, daß er überzeuget. Die-ser Ton ist vornehmlich in der äsopi-
*) Lopd. LI. vt. 6,6. 6:/.") V. Lleuäol. /lck l. S-.l.
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schen Fabel nothwendig, wo derDichter oft die Person eines einfäl-tigen und leichtgläubigen Menschenannehmen muß, um seinen Leser treu-herzig zu machen.
Es gicbt auch eine schalkhafte an-genommene Naivetät, die in der spot-tenden Salyre ungemein gute Wür-kung thur, das Lächerliche andrerrecht ans Licht zu bringen. Srvlfftist darin der größte Meister; und^.iscov hat mit der verstecken naivenEinfalt, mit welcher er diePhilippiund Sivers bcurtheilet, diese Heldenhöchst lacherlich gemacht. In derComödie kann dieses zur Demülhi-gnng der Narren von sehr großerWürkung seyn. Denn was ist em-pfindlicher, als von der Einfalt selbstlächerlich gemacht zu werden?
Ich begnüge mich hier mit diesenwenigen Anmerkungen über dasNaive, um das Vergnügen zu ha-ben , hier einen Aufsatz über dieseMaterie cinzurüken, den mir einerunsrcr ersten Köpfe vor vielen Jah-ren zu diesem Behuf zugeschikt hat.Der itzt berühmte Verfasser schriebihn zu einer Zeit, da er noch jungwar; aber man wird ohne Mühe dar-in das sich cntwikelnde Genie antref-fen, welches gegenwärtig sich in sei-nein vollen Glänze zeiget. Hier ister Wort für Wort.
Ich wundere mich nicht, daß derBrief über die Naivetät im g tcn Theildes Eours äes IZelles - l ^sttres desAbts Batteux ihnen so wenig als das,was Vouhours vom Naiven sagt,eine Genüge gethan hat. Alles wasHerr Battcux über diese Materie ge-schrieben hat, dienet vortrefflich, sienoch verworrener zu machen, als siedem Leser vorher hat scyn können.Statt bestimmter Begriffe werdenwir mit Bildern, Gleichnissen undGegensätzen abgefertiget; und wennwir eine Erklärung verlangen, s»antwortet man uns: die Naivetät
Ii z beste-