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3 (1793) [K - Q]
Entstehung
Seite
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Nachläßigkeit.

(Schöne Künste.)

Es gicbt in Bearbeitung der Werkeder Kunst eine Nachläßigkeit, die Un«Vollkommenheit und Mangel zeuget,und eine andere von guter Würkung,die deswegen von Cicero neFliZentlachliAens, die.wolüberlcgtc Nachläs-sigkeit, genennt wird: jene ist würk-lich, liegt im Künstler, und verstelltsein Werk; diese ist mir scheinbar vonguter Würkung in dein Werke- Diewnrkliche,, tadelhaftc Nachläßigkeitist Mangel des Fleißes und der Ge-nauigkeit, jedem Theile des Werks diein Rüksicht auf das Ganze ihm zu-kommendeVollkommenheit zu geben;sie entstehet aus dem Nachlajfen derBestrebung richtig zu handeln oderzu verfahren. Es ist nicht Nachläs-sigkeit, wenn in einer Landschaft ent-fernte Gegenstände weder mit Fleißausgezeichnet, noch durch Licht undSchatten und alle Mittelfarbcn na-her Gegenstände ausgcmahlt sind.Wenn der Mahler die Landschaft soniahlt, wie sie ihm in der Narur er-scheint, so muß man ihn deswegen,daß nicht jedes für sich deutlich undbestimmt ist, keiner Nachläßigkeit be-schuldigen. Nachläßig aber ist der,der aus Trägheit, oder aus Leicht-sinn, entweder dem Ganzen, odereinein Theil, nicht alle Vollkommen-heit giebt, die sie nach der Absichthaben sollten; auch der Stolz desSchriftstellers, wie einer unsrcrKunstrichtcr wol anmerket*), der fürseine Leser, nachdem er einmal imBesitz ihrer Bewundrung zu seynglaubt, alles für gut genug achtet,verleitet zur Nachläßigkeit.

Die Nachläßigkeit betrifft entwe-der die Materie, die Gedanken undBilder, die der Künstler zu seinemWerke zu erfinden und zu wählen hat,

') S. Schlegels Battcux in den Anmer-kungen über das Cap. des »tcnThelles.

Dritter Theil.

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oder blos die Darstellung, den Aus-druk und die Ausbildung derselben.Im ersten Falle kann sie leicht un-reife, nur halb richtige, unbestimmteGedanken, übel gewählte Bilder her,vorbringen; im andern Falle wirdder Künstler halb unverständlich, oderverworren, oder er sagt wol gar et-was anders, als er gedacht hat. Esläßt sich kaum ausmachen, welcheder beyden Arten der Nachläßigkeitschlimmer sey; vor beyden soll sichder Künstler, so viel immer möglichist, in Acht nehmen.

Junge, im Denken und Erfindennoch wenig geübte Künstler, sind des-wegen in der Wahl oft nachläßig:weil sie ihrem Gefühl, und dem er-sten Eindruk, den die Sachen auf siemachen, zu viel trauen. Sie haltenetwas für wahr, weil sie die Sachennur einseitig, oder aus einem zu ein-geschränkten Gesichtspunkte, betrach-ten; oder für schön, weil sie noch hö-here Schönheit in derselben Art nochnicht gefühlt haben. Dieses zeugeteine Zuvcrsichtlichkeit, aus welcherdie Nachläßigkeit in der Wahl ent-steht. Das Wahre hat, wie dasSchöne und Gute, mehrere Seiten,und ändert gar oft seine Natur nachder Verschiedenheit der Gesichts-punkte. Es gehöret lange Erfah-rung und viel Ucbung dazu, sichüberall in den besten, oder eigent-lichsten Gesichtspunkt zu setzen, ausdem die Sachen am richtigsten zu be-urtheilen sind. Darum kann manjunge Künstler und Kunstrichter nichtgenug vor dem Leichtsinn in Beur-theilung, der die Nachläßigkeit inder Wahl hervorbringet, warnen.Mancher gute Künstler und Schrift-steller würde sehr viel dafür hinge-ben, -wenn er seine ersten, aus lieber«cilung hingesetzten Gedanken wiederzurüknehmen könnte. Zuerst ist esihnen unbegreiflich, wie andere dar-an etwas aussetzen können; nach-her aber, wenn sie erst mehr Kennt-Ji niß