Druckschrift 
3 (1793) [K - Q]
Entstehung
Seite
493
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um einen hinlänglichen Vorrath me-lodischer Gedanken von gutem Aus-druk zu bekommen, sich des Mittelsder Nachahmung bedienen, um in ei-ner Melodie die Einheit des Charak-ters zu erhalten. Tonsetzer vonfruchtbarem Genie wissen zwar in ei.ner Melodie mehrerlei) ganz vcrschie-dene; aber im Charakter ähnliche Ge-danken anzubringen: dennoch kön-nen sie die Nachahmungen nicht wolentbehren, und würden es auch nichtthuu, weil es angenehm ist, densel-ben Gedanken in mchrern Wendun-gen und in verschiedenen Schattirun-geu zu hören. Darum muß jederTousctzer sich derRachahmungenaufeine geschikte Weise zu bedienen wis-sen. Am notbwendigstcn aber sindsie in solchen Stäken, wo mehrereHauptstimmen sind, wie in Duetten,Terzetten, in Trio und dergleichenStäken. Denn ohne sie würde indiesen vielstimmigen Tonstüken ent-weder blos eine Hauptstimme seyn,welcher die andern nur zur Beglei-tung dicneten, oder es würde in denverschiedenen Hauptstimmen keineEinheit des Charakters angetroffenwerden. Es ist also höchst nöthig,daß derTonsetzer in den Nachahmun-gen wol geübt sei).

Mehrcrc ähnliche Sätze zu finden,ist nun zwar au sich sehr leichte; aberwenn man dabei) die crfoderlicheVer-sehicdenhcit derHarmonie beobachtenund zugleich harnionisch rein setzenwill, so stoßt man gar oft auf nichtgeringe Schwierigkeiten. Es brauchtgar keine große Kenntniß zu sehen,daß dieser kurze Satz:

Aber bcyde nach einander setzen, undeinen Baß von guter Harmonie da-bei) anbringen, kann nur der Har-moniste.

Man kann jungen Tonsctzern, be-sonders in unfern Zeiten, da mansich die Kunst so sehr leicht vorstellt,nie genug wiederholen, daß sie sichmit anhaltendem Fleiß im reinenContrapunkt üben; weil dieses daseinzige Mittel ist in Nachahmungenglüklich zu seyn. Zuerst also mußman sich im einfachen Contrapunktfestsetzen, und zu einer gegebenenStimme, zu einem Lantus tirmusmehrere, nach den Regeln des reinenSatzes, bald in gerader, bald inverkehrter Fortschrcitung, bald ineben so vielen, bald in mehrern Notenverfertigen. Nur dadurch wird manzur guten Behandlung der Nachah-mungen vorbereitet. Ist man hierinhinlänglich geübet, so muß man miteben dem anhaltenden Fleiße die Ue-Hungen im doppelten Contrapunktvornehmen, durch den man unmittel-bar die genauesten Imitationen er-hält. Ohne lauge Vorbereitung durchAusübung beydcr Arten des Con-trapunkts ist es nicht möglich wah-re Nachahmungen gut anzubringen.Denn daß sich einige seichte Tonsctzcreinbilden, sie haben Nachahmungengemacht, wenn sie einen nichtsbcdcu-tcnden Satz vermittelst kahler undzerriger Versetzungen (Transpositio-nen) des Basics in den Stimmenabwechselnd wiederholen, wie. in die-sem Beyspiclc,

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auf folgende Weise könne nachgeahmtwerden:

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