knechtischen Nachahmung bleiben;sie werden durch ihre eigenen Kräftein der ihnen eigenen Bahn fortgeris-sen; aber ohne Genie kann man nichtanders als knechtisch »achahmen,weil der Mangel eigener Kraft allesFortgehen unmöglich macht, so bald«na» sein Original aus dem Gesichteverlieret.
Dadurch wird sehr begreiflich, daßdie freyc Nachahmung fürtreffliche,die knechtische nur schlechte Werkehervordringet. Die schlechtesten abersind „othwendig die, welche auskindischer Nachäffung entstehen, daMenschen ohne alles eigene Gefühlfremde Werke zum Spiel nachahmen,deren Absicht sie einzusehen, und de-ren Geist und Kraft sie zu fühlennicht im Stande sind. So wurdenin den Schulen der späten« griechi-schen Nhccoren, Reden über Staats-angelegenheiten gehalten, als keinStaat mehr vorhanden war. InunscrnZciten sind alle Künste mit sol-chen Naehässungen überhäuft. Manmacht Gemählde von griechischenHelden und griechischen Religionsge-bräuchen, die gerade so viel Realitäthaben, als die Festungen, die Kinderim Sand aufführen, um sie zumSpiel zu vcrtheidigcn und anzugrei-fen. Wir haben eine Menge horazi-scher, pindarischer, anakreonlifcherOden und Dithyramben, die eben soentstanden sind, wie jene kindischeFestungen. Solche Werke sind bloßeFarven, die etwas von der Form derOriginalwerke haben, ohne Spurdes Geistes, der diese belebt.
Es ist nicht unangenehm, auchganz besondere und etwas umständ-lichere Nachahmungen fremder Wer-ke zu sehen, wenn sie von Männern,die eigenes Genie haben, ausgeführt«verde». Die Hauptsachen sind als-denn in dem Original und in derNachahmung dieselbigcu; aber daseigene Gepräa des Genies zeiget sichalsoenn in den besondern Umständen,
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in den kleinern Verzierungen und inmancherlei) Originalwendungen, diedem Nachahmer eigen sind, und dieden Gegenstand, den wir im Origi-nal auf eine gewisse Weise gesehenhaben, uns auf eine andere, nichtweniger interessante Weise sehen las-sen. So sind die Nachahmungen ei-niger Comodien des Tercnz, die Mo-kiere nach seiner Art behandelt hat.Die Charaktere sind im Grunde diesel-ben, die «vir bcy dem Römer antref-fen; aber sie sind durch das Beson-dere und Originale der franzosischenSitten und Lebensart gleichsam an-ders schattirt. Dadurch erkennenwir, wie Menschen von einerlei) Ge-nie und Charakter nach Verschieden-heit dcrFeiten und Oertcr sich in ver-schiedenen Gestalten zeigen. So sindauch viele Fabeln, Erzählungen undLieder, die unser Hagedorn nachfranzösischen Originalen auf die ihmeigene Art behandelt, und denen erdas Geprag seines eigene» Geniescingedrükt hat. Wie man mit Ver-gnügen die vielerlei) Veränderungenbemerkt, die das verschiedene Cliniaund der veränderte Boden den ver-schiedenen Weinen gicbt, die imGrunde aus dcrselbigen Pflanze ent-sprungen sind: so ist es auch ange-nehm, die veränderten Würknngen desGenies an Werken der Kunst von ei-nerlei) Stoff zu sehen.
Bey den Alten war es nicht selten,daß auch gute Künstler die Werke dergrößten Meister nachahmeten. Mansieht noch itzt auf gcschnitienen Stei-nen Nachahmungen größerer Werkeder Bildhauerey, die sehr hochzu-schätzen sind. Daß die neuer» Dich-ter die alten sowol in Formen ganzerGedichte, als in cinzelen Theiiennachahmen, ist also auch nicht zu ta-deln: nur muß man eben nicht daszur unveränderlichen Regel machen«vollen, was die Alten gut gefundenhaben. Wir können gute dramati-sche Stuke, guteOdcn, gute Elegien
haben,