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3 (1793) [K - Q]
Entstehung
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fahrens die Regeln des sinnigen zuentdekcn hat.

Aber außer dieser allgemeinenNachahmung der Natur hat derKünstler, nicht immer, aber in man-cherlcy Fallen, sie in ihren besonder»Werken nachzuahmen. Denn garoft hat er würkiich vorhandene Ge-genstände zu schildern, weil sie zuseinem Zwekc nölhig sind. Hier abermuß er sich nicht als ein ängstlicherCopiste. noch als ein Nachäffer, son-dern als ein freyerund selbstmitwür-kender Nachfolger betragen. Er mußnicht jeden in dem Original vorhan-denen Umstand, nicht jede Kleinig-keit nachmachen, die zu seinem beson-der» Zwek nicht dienet. Insgemeinvereiniget die Natur in ihreuWerkenmehrere Absichtein und wir treffenin der ganzen Schöpfung schwerlichetwas an, das nur zu einem einzigenZwekc dienet. Der Künstler aberhat einen natürlichen Gegenstand nurzu einem Zwekc gewählt, und fehlet,wenn er aus demselben auch das,was ihm nicht dienet, nachahmet.Findet er z.B. nothig, eine rührendeScene vorzustellen, und trifft er siein der Natur an, so lasse er allesdaraus weg, was nicht rührend ist,wenn er es gleich in der Natur findet.Hat er nothig einen von heftigemSchmerz ergriffenen Menfchen abzu-bilden , so wähle er ihn in der Na-tur; aber das Widrige, oder garEkelhafte, das sich oft in den Ge-sichtszügen und Gcbehrdcn stark lei-dender Personen findet, braucht ernicht nachzuahmen; es ist seinemZwek nicht gemäß. So hat der großeMeister, der den Laocoon verferti-get hat, das Widrige dieser grausa-men Scene weislich aus der Nach-ahmung weggelassen.

Es ist also kein guter Rath, denVoltaire giebt, in einem rührendenDrama auch lächerliche Scencn nichtzu verwerfen, aus dem Grunde, weildergleichen Vermischung bisweilen in

der Natur vorkomme. Dieses hießedie Natur knechtisch und unüberlegtnachahmen. Der Künstler hat niealle Absichren der Natur, sondernnur eine davon, und was außer die-ser einen liegt, geht ihn nichts an.Wenn man zu diesen Anmerkungennoch das hinzu thut, was in demArtikel über das Ideal erinnert wor-den, so wird man sich eine richtigeVorstellung von der freyen Nach-ahmung der Natur machen können,die dem Künstler in seinen Schilde-rungen empfohlen wird.

Alles, was hier über die Nach-ahmung der Natur gesagt worden,kann auch auf die Nachahmung frem-der Werke der Kunst angewendetwerden. Wir wollen deswegen dieHauptsachen nur kurz berühren.

Die allgemeine Nachahmung gros-ser Meister besteht darin, daß mansich ihre Maximen, ihre Grundsatze,ihre Art zu verfahren, zueigne, insofern man einerlei) Absichren mitihnen hat, Bey ihnen kann man dieKunst siudircn, so wie sie dieselbe inder Natur studirt haben. Aber wasbey ihnen blos persönlich ist, wasblos auf ihre Zeit und auf den Ortpaßt, da sie sich befunden, dienet zuandern Zeiten und an andern Ortennicht. Wer ein Heldengedicht schrei-ben will, kann den Homer und Oßianzum Muster nehmen, aber nur indem, was zur allgemeinen Absichteines solchen Werks dienet; die Formund unzählig viel besonderes ist nurzufallig, und geht ihn nichts an. Der.freye, edle Nachahmer erwärmet seineigenes Genie an einem fremden solange, bis es selbst angeflammet,durch eigene Warme fortbrennet, dader angstliche Nachahmer, ohne ei-gene Kraft sich ins Feuer zu setzen,oder darin zu unterhalten, nur solange warm bleibet, als das fremdeFeuer auf ihn würket. Darum kön-nen Künstler von Genie, wenn sieauch wollten, nicht lange bey der

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