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sen der schönen Künste;u setzen, heißtein einzeles Mittel mit der allge-meinen Absicht verwechseln.
Daß die Werke der Kunst wegender glüklichen Nachahmung gefallen,ist eben so wenig allgemein wahr.Oft zwar entstehet das Vergnügen,das wir an solchen Werken haben,ans der Vollkommenheit der Nach-ahmung; aber wenn das Stöhneneines Philoktets, oder das Jammerneiner Audi omache uns Thrancn aus-preßt, so denken wir an das Elend,das sie füblcn, und nicht an die Kunstder Nachahmung. Diese kann ge-fallen, aber sie macht uns nicht wei-nen. Das Erstaunen, das uns er-greift, wenn wir den Achilles gegendie Elemente selbst streite» sehen, wiesollte dieses auch Bewundrung derNachahmung entstehen? Die Sacheselbst setztuns in Erstaunen, dieVoll-kommenhcit der Nachahmung abercrwckt blos Wolgefallcu. Nicht Ra-phael, sondern Gerhard Dow, oderTcinicrs, oder ein andrer Holländer,-Ware der erste Mahler der neuer»Zeiten, wenn das Wesen der Kunst inder Nachahmung bestünde, und dasbloße Vergnügen, das sie uns macht,aus Achnlichkeit des Nachgeahmtenherrührte.
Und doch empfehlen alle Kunstrich-ter, vom Aristoteles an bis auf diesenTag, dein Künstler die Nachahmungder Natur. Sie haben auch recht,aber man muß sie nur recht verstehen.Wer dein Künstler dieses zur Grund-rege! vorschreiben wollte: „er soll je-den Gegenstand, der ihm' in der Na-tur gefallt, nachahmen, damit erdurch Achnlichkeit seines Werks mitdem nachgeahmten Gegenstand gefal-le;" ooer, er soll deswegen schildern,weil ahnliche Schilderungen gefallen,ohne seine Arbeit auf einen höhernZwek zu richten," der würde die bestenWerke des Genies zu bloßen Svie-lereyen machen; die ersten Künstlerwürden, indem sie jenem Grundsätze
folgten, mit der Natur spielen, wieKinderspielen, indem sie ernsthafteHandlungen zum Zeitvertreib nachäf-fen. Der Grundsatz der Nachah-mung der Natur, in sofern er einallgemeiner Grundsatz für die schöneKunst ist, muß also verstanden wer-den. „Da der Künstler ein Dienerder Natur ist"), und mit ihr einerlei)Absicht hat, so brauche er auch ahn.liche Mittel zum Zwek zu gelangen.Da diese erste und vollkommensteKünstlerin zu Erreichung ihrer Absich-ten so vollkommen richtig verfahrt,daß es unmöglich ist, etwas besseresdazu auszudenken, so ahme er ihrdarin nach."
Zu dieser Nachahmung der Naturgelanget man nicht durch unüberleg-tes Abschildern einzclcr Werke; sieist die Frucht einer genauen Beobach-tung der sittlichen Absichten, die manin der Natur cntdcket, und der Mit-tel, wodurch sie erreicht werden.Dadurch erfahrt der Künstler, durchwas für Mittel die Natur Vergnü-gen und Mißvergnügen in uns er-wcket, und wie wunderbar sie balddie eine, bald die andere dieser Em-pfindungen ins Spiel setzet, um auchden sittlichen Menschen auszubilden,und ihn dahjn zu bringen, wo sie ihnhaben will. Aus genauer, aber mitscharfem Nachdenken verbundenerBeobachtung der Natur lernet derKünstler alle Mittel kennen, auf dieEemüther der Menschen zu würken;da entbeket er die wahre Beschaffen-heit des Schönen und des Guten, inihren so mannichfaltigen Gestalten;da lernet er den wahren Gebrauchvon allen in den äußerlichen Gegen-ständen liegenden Kräften zumachen.Kurz, die Natur ist die wahre Schu-le, in der er die Maximen feinerKunst lernen kann, und wo er durchNachahmung ihres allgemeinen Ver-fahrens
*) S. Künste.