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3 (1793) [K - Q]
Entstehung
Seite
433
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sang und Nachahmung gänzlich. Ichglaubre die Stimme des Schmerzens,des Zorns, der Verzweiflung selbstzu hören; ich dachte, jammerndeMütter, betrogene Verliebte, rasen-de Tyrannen zu hören, und hatte-Mühe, bey der großen Erschütterung,die ich fühlte, auf meiner Stelle zubleiben. Nein, ein solcher Eindrukist niemals halb; mau fühlet ihn ent-weder gar nicht, oder man wird aus-ser sich" gerissen; man bleibet entwe-der ohne alle Empfindung, oder manempfindet unmäßig; entweder höretman ein blos unverstandliches Ge-räusch, oder man empfindet einenSturm von Leidenschaft, der unsfortreißt, und dem die Seele zu wi-derstehen unvermögend ist *)."

Diejenigen, die an den Erzählun-gen von den wunderbaren Würknn-gcn der Musik, die wir bei) den al-ten Schriftstellern antreffen, zwei-feln, haben entweder nie eine voll-kommene Musik gehört, oder es feh-let ihnen an Empfindung. Manweiß, daß die Lebhaftigkeit der Em-pfindungen von dem Spiel der Ner-ven, und dem schnellen Laufe des Ge-blütes herkommet; daß die Musikwürklich auf beyde würke, kann garnicht gcläugnet werden. Da sie miteiner Bewegung der Luft verbundenist, welche die höchst reizbaren Ner-ven des Gehörs angreift, so würketsie auch auf den Körper; und wiesollte sie dieses nicht thun, da sieselbst die unbelebte Materie, nichtblos dünne Fenster, sondern sogarfeste Mauern erschüttert **)? War-um sollte man also daran zweifeln,daß sie auf empfindliche Nerven eineWürknng nutchc, die keine andereKunst zu thun vermag, oder daß sievermittelst der Nerven eine zerrüttete,

*) kouilesn ssns I, )ulis 1°, I> p, 48.

") Mansche hierüber die besonder» Be-obachtungen , die Rousseau in seinemviüioniiiü (ie diull-iu« im ArtikelMusik gesammelt hat.

Dritter Theil.

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fiebrische Bewegung des Geblütesin Ordnung bringen könne, und wiewir in den Schriften oer parisischenAcademie der Wissenschaften find n,einen Tonkünstler von dem Fieberselbst besrcyt habe? Wer Ewäh'an-gcn von außerordentlichen üö.nknn-gcn der Musik zu lesen verlanget, fin-det davon eine Sammlung in desDarrolini Werke von den Flöten derAlten. Es ist gewiß nicht alles Fa-bel, was die griechische Traditionvom Orpheus sagt, der die Grie-chen durch Musik aus ihrer Wild-heit soll gerissen haben. Was fürein ander Mittel könnte mau brau-chen, ein wildes ^Volk zu einigerAufmerksamkeit, und zur Empfin-dung zu bringen. Alles, was zurBefriedigung der körperlichen Be-dürfnisse gehört, hat ein solchesVolk gemeiniglich; Vernunft aberund Ucbcrlegung dem zuzuhören,der mit ihm von Sitten, von Re-ligion, von gesellschaftlichen Em-richtungen sprechen wollte, hat esnicht. Also kann man es durchVersprechung größern Ucbcrflussesnicht reizen. Poesie und Beredsam-keit vermögen nichts auf dasselbe;auch nicht die Mahlerey, a» der eshöchstens schöne Farben betrachtenwürde, die nichts sagen: aber Mu-sik dringet ein, weil sie die Nervenangreift; und sie spricht, weil siebestimmte Empfindungen erwekcnkann. Darum sind jene Erzählun-gen völlig in der Wahrheit der Na-tur, wenn sie auch historisch falschseyn sollten.

Bey diesem augenscheinlichen Vor-zug der Musik über andre Künste,muß doch nicht uncrinnert gelassenwerden, daß ihre Würknng mehr vor-übergehend scheinet, als die Würknngandrer Künste. Das was man gese-hen, oder vermittelst der Rede ver-nommen hat, es sey, daß man es ge-lesen, oder gehört habe, läßt sich eherwieder ins Ecdächrniß znrükrufen

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