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3 (1793) [K - Q]
Entstehung
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401
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So ist das Mitleiden, das wirmit dW Ocdipus beyin Sopho-kles habe«. Es kann auf nichts ab-zielen. Doch gicbt es auch Gelegen-heiren, wo mehr damit ausgerichtetwird. Der Redner kann durch Er-wckung des Mitleidens für einen Be-klagten, ihn von der Strafe retten;oder wo das Mitleiden für einen Be-leidigten rege gemacht wird, dem Be-leidiger eine schwerere Strafe zuzie-hen. Aber die gute Würknng desMitleidcns kann sich, wenn nur dieSachen recht behandelt werden, nochweiter ersircken. Dieses verdieneteine nahepe Betrachtung.

Wenn wir unter eigenem Schmer-zen fremdes Elend sehen, das ausBosheit, Uebcrcilung, oderblosun-schiklichem Betragen andrer Men-schen auf die Leidenden gekommen ist:so werden wir dadurch kraftig gewar-net, uns selbst vor solchem Betra-gen, dadurch andre unglüklich wer-den, sorgfältig zu hüten, und wirwerden mit lebhaftem Unwillen dieBosheit verabscheuen, die andre elendgemacht hat. So würkt das Mit-leiden, das wir mit der Iphigeniaund ihrer Mutter haben, Abscheu ge-gen die verdammte Ehr - und Herrsch-sucht des Agamemaons, der selbstdas Leben einer liebenswürdigenTochter aufgeopfert worden. Werwird nicht, wenn ihn das Elendeines umcrdrükten Volks bis zuThronen gcrühret hat, die Tyran-nei) und jeden Unterdrüker auf'cwighassen? Wer kann, ohne dem Geizzu fluchen, die mitleidcnswürdigeScene betrachten, die Horaz so rüh-rend schildert *)? Ueberhaupt alsokann das Mitleiden dienen, Haßund Abscheu gegen solche Lasier zucrweken, wodurch unschuldige Men-schen unglüklich werden. Der Künst-ler verdienet unsern Dank, der dieScenen des Elends, das Laster über

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Dritter Theil.

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Unschuldige gebracht haben, so schil.dert, daß wir lebhaftes Mitleidenfühlen. DcrgottloseboshaftcMenfchwird frcylich dadurch nicht gebessert;aber die Menschlichkeit gewinnt dochdabey, wenn er gehaßt und verab-scheuet wird.

Aber nicht nur>ganz verworfene,fondern auch sonst noch gute Men-schen, können, durch Leidenschaftenverleitet, oder aus Uebercilung, ausVorurtheilund mancherlei) Schwach-heiten, andre Menschen elend machen.Das Mitleiden, das wir dabey em-pfinden , warnet uns ernstlich, daßwir gegen solche Schwachheiten aufguter Hut seyen. Wird nicht einVater sich hüten, einer sonst liebens-würdigen, aber von Zärtlichkeit über-eilten Tochter mit Härte zu begeg-nen , wenn er das Mitleiden über somancherlei) Jammer, das eine solcheHärte über ganze Familien gebrachthat, gefühlt, wenn er z. B. Sha-kespears Romeo und Juliettc vor-stellen gesehen? Welcher Jüngling,wenn er nicht ganz des Gefühls be-raubet ist, wird sich nicht mit äußer-ster Sorgfalt in Acht nehmen, einzärtliches Mädchen, zu dessen Besitzer nicht gelangen kann, zur Liebe ge-gen ihn zu verleiten, wenn er dasMitleiden gefühlt hat, das Clemen-tinens Wahnwitz in jedem nicht ganzuncmvfindlichen Herzen auf das leb«haftcste crweket?

Aus diesen und tausend andernBcyspielen erhellet, was für guteWürkungen aus dem Mitleiden durchdie Werke der schonen Künste erfol-gen können. Vielleicht wäre es auchmöglich, harte und unempfindlicheSeelen, die durch frcmdeNoth nochnie gerührt worden, durch solcheWerke allmahlig empfindsam zu ma-chen. Was sie bey den verschiedenenmitlcidenswürdigen Scenen des Le-bens noch nicht gefühlt haben, konn-te ihnen vielleicht durch recht lebhafte

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