also nicht nur das Clcnd der Perso-nen lebhaft schildern, sondern vorherunsre Hochachtung und Zuneigungfür sie crwckcn. Bcydes hat Sha-kespear in einem hohen Grade besessen.Auch Euripidcs kann darin als einMuster angeführt werden, vorzüg-lich in Schilderung des Elends. Undwem wird hier nicht die Clarissa,oder die Clemcntina della Poretta,als vollkommene Muster beyfallen?Ist dcrhochachtungswürdigc Menschbei) seinem Leiden noch geduldig, oderentsteht sein Elend ganz unmittelbaraus der Größe seiner Tugend, so stei-get das Mitleiden auf den höchstenGrad. Im erstem Falle befindetsich Anchises in dcr Aeneis, der imgrößten Elende die andern in ihremMitleiden gegen ihn noch tröstet.
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^xuviazgue percc: kscilis fztkurslepulcliri cll *).
Für den andern Fall kann eine Sceneaus Thomsons Tancrcd und Sigis-munde angeführt werden, die jedemMenschen von Empfindung das Herzdurchbohrt. Der alte Siffrcdi, derSigismunde Vater, ist ein vcreh-rungswürdiger Held, dem Tancredseine Errettung vom Tode, seine Er-ziehung, und zuletzt die Krone vonSitilicn zu danken hat. Tancredverehret und liebet ihn auch als seinenVater. Aber da dieser verliebte Jüng-ling erfahrt, daß Siffredi, obgleichin der edelsten Absicht, und aus ei-nem Uebcrmaaß von Tugend, seineVerbindung mit Sigismunde hin-tertreibet, bricht er in den heftigstenZorn gegen ihn aus; nennt seinenWohlthäter und Erretter einen altenBetrüger, und begegnet ihm wie ei-nem Nichtswürdigen. Da auch Tan-cred selbst ein hochachtungs-undlie-*) /^eneiä. l.. U.
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benswürdiger Jüngling ist, so über,nunnit uns zugleich auch ein tiefesMitleiden für ihn, der sieh durch dieHeftigkeit der Leidenschaft zu dieserAbfcheuliehkeit hinreißen laßt. Manwird ungewiß, ob man mehr mitSiffrcdi oder mit Tancred Mitleidenhaben soll. Dies ist meines Erach-tens cine der stärksten tragischen See-ncn, die möglich sind.
Der Redner, oder der Dichter, dersich vorsetzt, zum Mitleiden zu bewe-gen, muß wol bedenken, für was füreine Gattung Menschen er arbeitet;denn nach der Sinnesart und demCharakter der Menschen richten sichihre Vorstellungen von Elend undllnglük. Weichliche, verzärtelte Men-schen werden mitleidig, wenn andreUngemach, oder auch nur geringekörperliche Schmerzen ausstehen; undwer vorzüglich zur Zärtlichkeit undLiebe geneigt ist, fühlt bey einer M-glüklicheu Liebe das größte Mitleiden,wo ein andrer nur spotten würde.Es giebt Menschen, die nicht begrei-fen können, daß man unglüklich sei),so lange man Macht oder Reichthmnbesitzt, und dadurch in Stand gesetztwird, sich alles, was zum Vergnü-gen der Sinuc gehört, zu verschaffen.Wie die Menschen, nach einer gemei-nen oder feinern Sinnesart, ihrVergnügen an gröberen oder feine-ren Dingen finden, so urtheilen undempfinden sie auch verschiedentlichbey dem Elend, und darnach richtetsich noihwendig das Mitleiden.
Die unmittelbare Würkung dieserLeidenschaft, in sofern sie durch dieWerke der schönen Künste erregt wird,ist gar oft nur vorübergehend; einebey dem Schmerz nicht unangenehmeEmpfindung, weil der Mensch allesliebet, was sein Gemüth ohne widrigedaurende Folgen inBcwegung setzet
So
Man sehe, was hiervon im ArtikelLeidenschaft III Th. S. 2,4 ange-merkt morden.