Druckschrift 
3 (1793) [K - Q]
Entstehung
Seite
374
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zwei), bald mehrere Tone haben, unddiese können durch Äcreme, durch Ho-he und Tiefe, durch verschiedeneDauer sich von einander auszeichnen.Hieraus entstehet eine unerschöpflicheMannichfaltigkcit bey beständigerEinförmigkeit, davon an einem an-dern Orte das niedrere nachzusehenist H. Daher laßt sich begreifen, wieein Gesang, vermittelst dieser Veran-staltungen, wenn er auch sonst garnichts ausdrükt, sehr unterhaltendseyn könne. So gar ohne alle Ab-wechslung des Tones, in Höhe undTiefe, kann durch die Einförmigkeitdes Takts, und die Verschiedenheitin feinen Zeiten ein unterhaltendesGeräusch entstehen, wovon dasTrom-tnclschlagewein Beyspicl ist:

Würden aber ganz verschiedeneTakte in einem fort hinter einanderfolgen, so wäre doch diese mit Ab-wechslung verbundene Einförmigkeitnicht lang unterhaltend. Ein Gan-zes, das aus lauter kleinen, gleich-großen, aber sonst verschiedentlichgebildeten Gliedern besteht, ist nichtfaßlich genug; die Menge der Theileverwirret. Darum müssen mehrerekleinere Glieder in größere gruppirt,und aus kleinen Gruppen großeHauptgruppen zusammengesetzt wer-den. Dieses ist für alle Werke desGeschmaks, die aus viel kleinen Thei-len zusammengesetzt sind, eine noth-wendige Fodcrnng **). In der Melo-die also müssen ans mehreren Taktengrößere Glieder, oder Einschnitte,und aus mehreren EinschnittenHauptgliedcr, oder Perioden gebildetwerden f). Wird dieses alles rich-tig nach einem guten Ebenmaaß be-

S. Takt.

5») S. Glied: Gruppe; Anordnung;in welchen Artikeln dieses deutlich be-wiesen worden.

S. Einschnitt; Periode.

vbachtet, so ist die Melodie allemalangenehm und unterhaltend.

l l l. Bis bichcr haben wir das Me-trische und Rhythmische der Melodieals etwas, das zur Annehmlichkeitdes Gesanges gehört, betrachtet.Aber noch wichtiger ist es, durch diedarin liegende Kraft zum leidenschaft-lichen Ausdruk. Dieser ist die dritte,aber weit die wichtigste Eigenschaftder Melodie. Ohne sie ist der Ge-sang blos ein wolgeordnetes, aberauf nichts abzielendes Geräusch;durch sie wird er zu einer Sprache,die sich des Herzens ungleich schneller,sicherer und kräftiger bemächtiget,als durch die Wortsprache geschehenkann.

Der leidenschaftliche Ausdrukhängt zwar zum Theil auch, wie vor-her schon angemerkt worden, von deinTon und andern zur Harmonie ge-hörigen Dingen ab; aber das, wasdurch Metruin und Rhythmus kannbewürkt werden, ist dazu ungleichkräftiger. Wir müssen aber hier, umnicht undeutlich zu werden, die ver-schiedenen von der Bewegung herkom-menden, oder damit verbundenenEigenschaften der Melodie sorgfältigunterscheiden. Zuerst kommt die Be-wegung an sich, in sofern sie lang-sam oder geschwind ist, in Betrach-tung; hernach ihre Art, nach dersie bey einerlei) Geschwindigkeit sanftfließend, oder hüpfend, das ist, nach-dem die Töne geschleift, oder stark,oder schwacher sind; drittens die grös-seren oder kleineren, consonircnden,oder dissonircnden Intervalle; vier-tens die Gattung des Takts, ob ergerade oder ungerade sey, und diedaher entstehenden Accente; fünftensseine besondere Art, oder die Anzahlseiner Theile; sechstens die Austhci-lung der Töne in dem Takt, nach ih-rer Länge und Kürze; siebentens dasVerhaltniß der Einschnitte und Ab-schnitte gegen einander. Jeder dieser

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