Druckschrift 
3 (1793) [K - Q]
Entstehung
Seite
373
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M e l

des Gesanges zu seyn, daß überall,auch bey den rohcsten Völkern, dieersten Gesänge, die unter ihnen ent-standen, unzertrennlich mitdcm Gangdes Körpers, oder mit Tanz verbun-den waren. Und noch überall wirdder Takt durch Bewegungen desKörpers, besonders der Füße, an-gedeutet.

Jede Bewegung, in welcher garkeine Ordnung und Regelmäßigkeitist, da kein Schritt dem andern glei-chet, ist, selbst zum bloßen Anschauen,schon ermüdend; also würde eine Fol-ge von Tönen, so harmonisch undrichtig man auch damit fortschritte,wenn jeder em.e ihm eigene Langeoder Dauer, eine ihm besonders ei-gene Starke hatte, ohne irgend eineabgemessene Ordnung in dieser Ab-wechslung, nnsreAufmerksamkeit kei-nen Augcnblik unterhalten, sondernuns vielmehr verwirren: wie wennz. B. der vorhcrangcführtc melodi-sche Satz so gesungen würde:

Kein Mensch wurde gehen können,wenn keiner seiner Schritte dem an-dern an Lange und Geschwindigkeitgleich seyn sollte. Ein solcher Gangist völlig unmöglich. Wenn Töneuns ihn empfinden ließen, so warensie höchst beschwerlich. Darum mußin der Bewegung Einförmigkeit seyn;sie muß in gleichen Schritten fortge-hen*), und die Folge der Töne mußin gleiche Zeiten, oder Schritte, diein der Musik Takte genennt werden,eingcthcilt seyn.

Diese Schritte müssen, wenn sieaus mchrcrn klcinenRükungen beste-hen, dadurch fühlbar gemacht wer-den, daß jeder Schritt aufdcr erstenRükung starker als auf den übri-gen angegeben wird, oder einen. Ac-

*) S. Einförmigkeit.

ccnt hat. Alsdcnn fühlet das GehördicEintheilung derTönc inTakte: sowie vermittelst der Accente der Wör-ter, ob sie gleich nicht, wie im Ge-sänge, immer auf dieselbe Stelle fal-len, die Wörter selbst von einanderabgesondert werden *).

Denn die Gleichheit der Schritte,ohne alle andre Abwechslung darin,

wenn auch

gleich die Töne durch Höhe und Tie-fe von einander verschieden waren,würde ebenfalls gar bald ermüden.So gar schon in der Rede würde dasschönste Gedicht, wenn man uns inimmer gleichem Nachdruk Sylbe vorSylbc gleichsam vorzählen wollte,alle Kraft verlieren: die schönsten Ge-danken wären nicht hinreichend, esangenehm zu machen. Daruni müs-sen die gleich langen Schritte, oderTakte, in gefälliger Abwechslungauf einander folgen. Es ist deswe-gen.nöthig, daßdicDauerjdesTaktsin kleinere Zeiten, nach gerader oderungerader Zahl, cingctheilt werde;daß die verschiedenen Zeiten durch Ac-cente, durch veränderten Nachdruk,oder auch noch durch abgeänderte Rü-kungcn cinzeler Töne, sich von ein-ander unterscheiden. Also müssen injedem Gesang Takte von mehrern Tö-nen se»n, deren Dauer zusammenge-nommen, das Zeitmaaß des Taktesgenau erfüllet. Hierdurch entstehennun wieder neue Arten von Einför-migkeit und Mannichfaltigkeit, dieden Gesang angenehm machen. Mankann den Takt durchaus in zwcy,oder in drey Zeiten, oder Theile ein»theilen, so daß die Takte nicht nurgleich lang, sondern auch in gleichekleinere Zeiten eingethcilt sind. Die-ses dienet zur Einförmigkeit. Dennkann der ganze Takt, durch alle Thei-le seiner Zeiten, bald einen, bald

Aa z zwey,

*) S. Accent.