Druckschrift 
3 (1793) [K - Q]
Entstehung
Seite
372
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hat schon jede Folge von Tönen,wenn sie nur aus derselben Tonleitergenommen sind, sie folgen sonst auf-oderabsteigcnd, Wieste wollen, (wennnur nicht der Natur der Leittönc zu-wider fortgeschritten wird,) *) etwasangenehmes, weil man Zusammen-hang und Harmonie darin empfindet.

Der Ton aber muß dem Charakterdes Stüks gemäß gewählt werden.Denn bald jede Tonart hat einen ihreigenen Charakter, wie an seinemOrte deutlich wird gezciget werden **).Je feiner das Ohr des Tonsetzers ist,um den cigenthümlichen Charakterjcdcr Tonlciter zu empfinden, je gläk-iichcr wird er in besondcrn Fallen inder Wahl des Haupttones seyn, diemehr, als mancher denkt, zum richtegen Ausdruk beyträgt.

Weil es gut ist, daß das Gehörsogleich vom Anfang der Melodie vonder Tonart eingenommen werde, sothnt der Setzer wol, wenn er gleichim Anfang die so genannten wesentli-chen Sayten des Tones, Terz, Quintund Oetave hchen laßt. In Melo-dien von ganz geringem Umfangder Stimme wird deswegen, auchohne Baß, die Tonart leichter durchdie untere oder harmonische Hälfteder Oetave von der Prime bis zurQuinte, als durch die obere Hälftevon der Quinte zur Oetave, be-stimmt. In dieser kann dir Melodieso scyn, daß man, wo die begleiten-de Harmonie fehlt, lange singenkann, ohne zu wissen, aus welchemTon das Stuk geht. So kann manbei) folgendem Satze;

5) S. Leiwen.

S. Ton, Tonart.

gar nicht sagen, ob man aus Ednroder (Zdur singe.

In ganz kurzen Melodien, die blosaus ein paar Hauptsätzen bestehen,kann man durchaus bei) dem Haupt-tone bleiben, oder allenfalls in seineDominante mvduliren: aber längereStüke erfodern Abwechslung des To-nes, damit der leidenschaftliche Aus-druk, auch in Absicht auf das Har-monische, seine Schattirnng undManuichfaltigkeit bekomme. Des-wegen ist eine gute und gefällige, nachder Länge der Melodie und den ver-schiedenen Wendungen der Empfin-dung mehr oder weniger ausgedähn.te, schneller oder langsamer abwech-selnde, sanftere oder härtere Modu-lation, ebenfalls eine nothwendigeEigenschaft einer guten Melodie.Was aber zur guten Behandlung derModulation gehöret, ist in dem be-sondern Artikel darüber in nähere Er-wägung genommen worden.

Durch Einheit des Tones, harmo-nische Fortschreitung der Töne, undgute Modulation wird schon cm an-genehmer, oder wenigstens gefälligerGesang gemacht; aber er drükt dar-um noch nichts aus, und kann höch-stens dienen, ein Lied choralmäßig,und doch noch sehr unvollkommen,herzulallen.

II. Darum ist zum guten Gesangeine gefällige Abmessung der Theile,wie in allen Dingen, die durch ihreForm gefallen sollen*), unumgäng-lich nothwcndig. Jeder Gesang er«weket durch die einzelenTöne, welcheder Zeit nach auf einander folgen,den Begriff der Bewegung. JederTon ist als eine kleine Rükung, dereneine bestimmte Anzahl einen Schrittausmachen, anzusehen. Mankamisich diese Bewegung als den Gang ei-nes Menschen vorstellen: es scheineteine so natürliche Aehnlichkeit zwi-schen dem Gang und der Bewegung

des

*) S. Metrum.