Druckschrift 
3 (1793) [K - Q]
Entstehung
Seite
362
Einzelbild herunterladen
 

zöz Man

sondern eine natürliche Verbindungunter ihnen sey. Das Mannichfal-tige muß als die immer abgeänderteWürknng einer einzigen Ursache, oderals verschiedene Kräfte, die auf ei-nen einzigen Gegenstand würken,oder als Dinge von einer Art, derenjedes durch seine besondere Schatli-rung ausgezeichnet ist, erscheinen. Jegenauer die Dinge bey ihrer Man-nichfaltigkeit zusammenhangen, jefeiner ist das Vergnügen, das sieverursachet.

Diese Maunichfaltigkeit muß über-all, wo vieles vorkommt, beobachtetwerden. Der gute Historienmahlerläßt uns nicht nur Personen von ver-schiedenen Gesichtsbildungcn sehen,auch in ihren Stellungen, in den Ver-hältnissen ihrer Glicdmaaßcn, in ih-ren, Kleidungen, beobachtet er einegefällige Abwechslung. Der Dich-ter begnüget sich nicht an der Mau-nichfaltigkeit der Gedanken, er beob-achtet sie auch im Ausdruk, in derWendung, in dem Rhythmus, demTon und andern Dingen. Der Ton-setzer sorget nicht blos für die gefäl-lige Abwechslung des Tones, auchdie Harmonien auf ähnlichen Stel«len, und die Folge der Tone werdenverschieden.

Es denke kein Künstler ohne Ge-nie, wenn er von Maunichfaltigkeitsprechen höret, daß es dabey aufeine Zusammcnraffung viclerley Ge-danken und Bilder ankomme. DieMenge und Verschiedenheit der Sa-chen so zu finden und zu wählen, daßjede zum Zwek dienet, und am rech-ten Orte steht; daß die Menge nichtnur keine Verwirrung mache, son-dern als ein Ganzes, dem nichtskann benommen werden, erscheine,crfodert wahres Genie und einensichern Geschmak. In den Merkender Künstler, denen diese beydcn Ei-genschaften fehlen, wird man entwe-der Armulh an Gedanken, oder eineunfchssliche Znsammcnhäufung sol-

Ma n

cher Vorstellungen, die sich nicht zneinander schiken, antreffen. S»siehtl inan in den Werken einiger Ton.setzer, entweder, daß sie durch einganzes Stük denselben Gedanken im-mer in andern Tönen wiederholen,daß die ganze Harmonie auf zwcyoder drey Accorden beruhet; oder imGcgenthcil, daß sie eine Menge ein-zeler, sich gar nicht zusammenpassen-der Gedanken hinter einander hörenlassen. Nur der Tonsctzer, der daszu seiner Kunst nöthigc Genie hat,weiß den Hauptgedanken in man-nichfaltiger Gestalt, durch abgeän-derte Harmonien unterstützt, vorzu-tragen, und ihn durch mehrere ihmuntergeordnete, aber genau damitzusammenhangende Gedanken so zuverändern, daß das Gehör vom An-fang bis zum Ende beständig gereiztwird.

Es ist vorher angemerkt worden,daß der Mangel an Mannichfaltig.keit Armuth des Genies verräth.Könnte nicht hieraus in gewissenFällen eine Regel zur Beurtheilnnzdes Genies einer; ganzen Nation ge-zogen werden? Würde man z. B.nicht schließen können, daß die Na-tion, bey der gewisse' Werke derKunst durchaus immer einerlei) Formhaben: wie wenn alle Wohnhäusernach einerlei) Muster aufgeführet;alle Comödien nach einerley Planeingerichtet; alle Oden in einem Tonangestimmt, und nach einer Regelausgeführt wären u. d. gl. daß dieserNation das Genie zur Baukunst, zurComödie, zur Ode, noch fehlet?

-K- -H-

Von der Mannichfaltigkcit (und Ein-förmigkeit) überhaupt handeln, Home, iilden LIeinencs »t Oiricism, Kap. y.Bd. i. S. z°2. qte AuSg. — I. Riedelin dem ;ten Abschnitt seiner Theorie derschönen Künste und Wisscnsch. S. 6; u. f.ite Ausg. — I. C. König, im gtcnAbschn. s. Philos. der sch. Künste, S- >85

(Vou