taS Clavicr zu spielen. — O. G. Türklm ^tcn ». f. Kap. seiner Klavierschule,Lcipj. -789- 4- —
Mannichfaltlgkeit.
(Schöne Kümie.)
Aic Abwechslung in den Vorstellun-gen und Empfindungen scheinet einnatürliches Bedürfnis des zu einigerEntwiklung der Vernunft gekomme-nen Menschen zu seyn. So ange-nehm auch gewisse Dinge sind, sowird man durch deren anhaltenden,oder gar zu oft wiederholten Genußerst gleichgültig dafür; bald aberwird man ihrer überdrüssig. Nurdie öftere Abwechslung, das ist dieMannichfaltigkcit der Gegenstände,die den Geist, oder das Gemüth be-schafftigen, unterhalt die Lust, dieman daran hat. Der Grund diesesnatürlichen Hanges ist leicht zu ent-deken: er liegt in der innern Tätig-keit des Geistes; aber er zeiget sicherst, nachdem der Mensch zu eini-gem Nachdenken über sich selbst ge-kommen ist, und das Vergnügenwürksam zu scyn, oft genossen hat.Halb wilde Volker, wie diejenigenAmericaner, die nicht über drcy zah-len *), können einen ganzen Taggedankenlos sitzen und auf ihrenPfeifen denselben Ton tausendmalwiederholen, ohne Langeweile zufühlen.
Dieser Hang zur Abwechslungtragt sehr viel zur allmähligen Ver-vollkommnung des Menschen bey;denn sie unterhalt und vermehret sei-ne Thatigkeit und verursachet einetägliche Vermehrung seiner Vorstel-lungen , die eigentlich den wahreninnern Rcichthum des Menschenausmachen. Obgleich die Liebe desMannichfaltigcn ans der iiinernWürksamkcit entstehet, so wird imGegenrhcil diese durch jene wieder
H S. CondamineS Reise längst demAuiazonensluß.
verstärkt. Je mehr man die Lust ab-gewechselter und mannichfaltigerVorstellungen genossen hat, je star-ker wird dasBedürfniss. folglich dasBestreben die Anzahl derselben zu ver-mehren. Daher kommt es, daß derMensch allmählig jedes innere undäussere natürliche Vermögen, jedeFähigkeit brauchen lernt; daß etsich allmähiig dem Zustande dcrVoll-kommcnhcit nähert, um alles zu wer-den , dessen er fähig ist.
Da die Werke der schonen Künstenothwendig unterhaltend seyn, undin allen Thcilcn der Vorstellungskraftneuen Reiz geben müssen'): so mussin der Menge der Dinge, die jedesWerk uns darbietet, auch eine hin-reichende Manmchfaltigkeit seyn.Alle Künstler von Genie haben sie inihren Werken gezciget, jeder nachdem Maaße der Fruchtbarkeit seinesGenies. In der Jlias ist des Strei-tens unendlich viel und immer abge-wechselt; die Helden, deren besondersMeldung geschieht,^ sind kaum zuzählen; aber jeder ist genau, und iuallem, was zum Charakter gehört,von jedem andern verschieden.
Die Manmchfaltigkeit aber, diegefallen soll, muß sich in Gegenstän-den finden, die eine natürliche Ver-bindung unter sich haben. Es isteben so verdrießlich, jede Minute desTages eine neue, mit der vorherge-henden nicht verbundene Beschäffri-gung zu haben, als jede Minute das-selbe zu wiederholen. Eine beträcht-liche Sammlung cinzelcr, unter sichgar nicht zusammenhangender Ge-danken, deren jeder schön und wich-tig wäre, würde ein Buch von gros-ser .Mannichfaltigkcit des Inhaltsausmachen, das Niemand lesenkönnte. Darum muß ein Faden seyn,an dem die Menge der verschiedenenDinge so aufgezogen sind, daß, nichteine willkührliche Zusammensetzung,Z 5 son-
S. Werke der Kunst.