Z5L Man
nein Gcmählde sagt, es sey Manierdarin, so will man damit sagen, eshabe etwas gegen die Vollkommen-heit der Nachahmung streitendes.Eigentlich sollte man bcy jedem voll-kommenen Werke der Kunst nichts,als die Natur, nämlich die vorgestell-ten Gegenstände sehen, ohne dabei)den Künstler, oder sein Verfahren ge-wahr zu werden"). Bey'.Gemähl-dcn, die maniore sind, wird mansogleich eine besondere Behandlung,einen besondern Geschmak des Künst-lers gewahr, die von der Betrach-tung des Gegenstandes abführen,nnd die Aufmerksamkeit blos auf dieKunst lenken. Darum ist die Ma-nier schon in sofern etwas unvoll-kommenes: sie wird es aber nochNiel mehr, wenn der Künstler einegewisse Behandlung, dit er sich an-gewöhnt hat, auch bcy solchen Ar-beiten anbringet, wo sie sich nichtschiket. Co hat Claude MelauKöpfe undStatuen nach derManicrin Kupfer gestochen, daß ein ganzesWerk aus einem einzigen, von einemPunkt aus als eine Schnckenlinie indie Runde herumlaufenden Strichbesieht, der an dunkele» Stellenkcrnhafter und an hellen feiner ist.Die Manier ist nicht nur zu Figurenunnatürlich, sondern giebt dem Ku-pferstich etwas blendendes, wobei)ein empfindliches Auge Schwindelbekommt. Eben so schlecht ist dieManier des Venedischcn Kupferste-chers pirrcri, der seine Köpfe durchlauter gerade und parallel an einan-der herunterlaufende Striche macht.Von dergleichen unnarürliclwn Be-handlungen ist insgemein die Rede,wenn man von einem Künstler, be-sonders von Mahlern sagt, sie scyenmanicrot.
Wiewol man den Ausdrnk gemei-niglich blos von der Behandlungbraucht, so giebt es doch Künstler,die schlechte Manieren in der WahlS. Kunß.
Man
der Materie,"oder in der Zusammen-setzung, oder in der Zeichnung, undauch in der Führung des Pinsels ha-ben. So haben David Teiniers,Gffade, Brauer und andre, ihreManieren in der Wahl der Materie;Paul aus Verona seine Manier inden zu langen Verhältnissen seinerFiguren. So giebt es Mahler, dienur wenige ihnen geläufige Formenhaben, die sie überall anbringen.Die alten Männer, die Jünglinge,die Kinder, die sie mahlen, habenin allen ihren Gemahlden, jede Artimmer dieselbe Gcsichtsbildung, Stel-lung und dieselben Verhältnisse, soverschieden auch ihre Charakterenach dem Inhalt dcr Ctüke seyn soll-ten. So haben einige Mahler nureinen einzigen Ton ihrer Farben, derstreng oder lieblich, finster oderglänzenbist; der Inhalt sey von wel-cher Art er wolle.
Diesen maniertcn Künstlern fehletes an der Beugsamkeit des Genies,jeden Gegenstand nach der ihm eige-nen Art darzustellen; sie zwingen al-les in die ihnen allein geläufigen For-men und Farben; und dadurch wer-den sie unnatürlich, gezwungen, undauch in der größten Mannichfalkig.keit ihrer Werke einförmig und lang-weilig.
Darum sollte der Künstler großeSorgfalt anwenden, sich vor derManier zu verwahren. Hierzu ge-hört frcylich ein fruchtbares Genie,das für jeden besondern Fall, dieeigentlichsten Mittel, zum Zwek zugelangen, zu erfinden vermag. Nir-gend lernet man das Genie desKünstlers besser kennen, als wo erGegenstande von verschiedener Naturzu behandeln hat. Weiß er sich indiese Verschiedenheit zu finden, undjedem Ding, auch in zufälligen Sa-chen, seinen natürlichen Charakterzu geben, so tst er ein Mann vonfruchtbarem und gesenkigem Genie;aber sehr eingeschränkt ist dasselbe,
wenn