Druckschrift 
3 (1793) [K - Q]
Entstehung
Seite
311
Einzelbild herunterladen
 

M a h

allerdings wichtig, daß man auchauf die beste und edelste Anwendungihrer Kunst denke.

Aber noch hoher erhebt sich dieMahlerey durch die Vorstellungenaus der sittlichen Welt. Hier kannder Mahlcr mit dem epischen nnddramatischen Dichter, mit dem Red-ner und dem Philosophen um demRangstreiten. Wir können die wäh-lerischen Vorstellungen aus der sittli-chen Welt in zwcy Hauptgattungeneintheilen. Die erste stellt uns diesittliche Natur in Ruhe vor; die an-dre mahlt sie in Handlung: jede istwieder entweder historisch, oder alle-gorisch. Es könnten wol noch andreEintheilungen gemacht werden; aberwir dürfen uns nichc in Subtilitä-ten vertiefe». Also; gerade zumZwck.

Die gcmeineste Art ist hier dasPortrait, und die meisten Gcmahldedieser Art gehören zur ersten Classe,die dicNatur inNuhevorstellt. Ausdem, was wir über den CharakterdesPortraits in seinem Artikel *) sa-gen werden, laßt sich der Grad sei-ner Wichtigkeit bestimmen. Alle Ar-ten der würklich vorhandenen mensch-lichen Charaktere können uns da-durch vorgestellt werden, und dar-aus allein erhellet schon seine Wich-tigkeit. Der Physiognomiste findethier reichen Stoff, um seine Kennt-nisse zu erweitern.

Zunächst an dieser Art liegt dasIdeal einzclcr Menschen, für welcheswir anderswo den Namen des Bil-des vorgeschlagen haben Aberes crsodert schon einen größcrnMann,als das bloße Portrait; und kannvon großer Würkung sepn. Es die-net zur Vorstellung der Heiligen, derHelden und überhaupt großer Cha-raktere. Indem es uns Menschenvon höherer Dcnkungsart und hö-her» Empfindungen vorstellt, als

") S. Portrait-

") Artikel Historie Ii Tb- S.6-z.

M a h

3"

wir sie in derNatur zusehest gewohntfind, dienet es zur Erhebung dcsGe-müthes '). Hiehcr gehören endlichauch cinzele allegorische Bilder, dieTugenden, Laster, Eigenschaften,sittlich handelnder Wesen vorstellen.

Hierauf folget das Gemähld, wel-ches wir die Moral nennen **); esist mehr unterrichtend als rührend,und kann sowol die Natur in Ruhe,als in Handlung vorstellen, wie anseinem Orte gezciget worden. Nachdieser Gattung kommt die eigentlicheHistorie, davon besonders umständ-lich gehandelt worden s). Hier wirddie sittliche Natur in voller Thatig-keit vorgestellt; die Absicht der Hi-storie geht aber mehr auf Empfin-dung, als auf Unterricht. Endlichfolget die große Allegorie, die schwer-ste aller Gattungen, von welcherauch schon besonders gesprochen wor-den ss).

Dasjenige, was wir über die An-wendung des Theiles der Mahlereygesagt haben, die sich mit der leblo-sen Natur beschäfftigct, erleichtertdas, was hier über den Gebrauchder sittlichen Mahlerey zu sagen ist.Man sieht überhaupt, daß sie aufunzählige Weise vortheilhaft auf denVerstand und auf die Empfindun-gen würkcn könne. Da der Mahleralle guten oder schlimmen Eigenschaf-ten des sittlichen Menschen auch deinkörperlichen Auge sichtbar machen,und dadurch Charaktere, Bestrebun-gen der inner» Kräfte, Empfindun-gen von allen Arten nachdrüklichvorstellen kann: so darf er, umsehenützlich zu scyn, nur gut geleitetwerden.

Die Griechen glaubten, nicht ohneguten Grund, daß die Vorstellungenihrer Götter und Helden, zur Unter-U 4 stützunz

H S. Statue.

*') S. Moral.

-s) Artikel Historie.

st) S. Allegorie ITH. S.7Zff.