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3 (1793) [K - Q]
Entstehung
Seite
309
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der Rede weit übertrifft. Der Mu-sik steht sie an Lebhaftigkeit derWür-kimgcn nach "), aber unendlich über-trifft sie dieselbe an Ausdehnung ih-rer Vorstellungen.

Diese Betrachtung über die Naturund die Kräfte der Mahlerey leitetuns natürlich auf Erwegung der An-wendung, die man davon machenkann, wenn kluge Uebcrlcgung dasGenie des Künstlers leitet. Eswäre sehr zu bedauern, wenn eineso reizende und zugleich mit so leb-hafter moralischer Kraft reichlichversehene Kunst nicht in dem gan-zen Umfang ihrcrWürkung angewen-det würde.

Zuerst dienet ste also, wie bereitsangczcigct worden, die mannichfalti-gen Sccnen der leblosen Natur vor-zustellen, die in mchrern Absichtenunsre ganze Aufmerksamkeit verdie-net. Dieses ist vorzüglich das Ge-schafft des Landschaftmahlcrs. Vonder Mannichfaltigkeit und dem Nu-tzen seiner Arbeit haben wir in einembesonder« Artikel ausführlich gespro-chen **).

Auch die durch den Fleiß der Men-schen verschönerte Natur ist hier nichtzu vergessen: Landschaften mit Aus-sichten auf schone Gebäude, auch wolbloße Prospekte, da die Gebäude dieHauptsache ausmachen. Wir habenschon anderswo erinnert, daß dieWerke der Baukunst eben den vor-theilhaften Einfluß auf uns habenkönnen, den die Schönheit der lcblo.scn Natur hat fl).' Wer kann dieWerke eines Eanaletto in Dresdensehen, ohne bcynahc alle die sanftenRührungen dabcy zu fühlen, die unsdie Aussichten auf die Natur empfin-den lassen?

Selbst die einzelcn kleineren Kunst-werke der Natur, die Blumen, in ih-

H S. Nünste gegen das Ende des Ar-tikels.

55) S Landschaft,s) S. Bankunff.

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ren so unendlich mannichfaltigenunbimmer ergötzenden Gestalten, und indem lieblichen Glanz, oder in demReichthum ihrer Farben, sind einnicht unschätzbarer Gegenstand desGeschmaks, der allemal dabey ge-winnet. Da es nicht möglich ist, oh-ne betrachtlichen Aufwand, der selbstdas Vermögen der meisten Reichenübersteiget, diesen angenehmen Theilder irdischen Schöpfung aus allenGegenden des Erdbodens zu samm-lcn, und inNatur zu besitzen; somußdie Kunst des Mahlers darin uns zuHülfe kommen, und diese Gattungdes Rcichthums der Natur uns ge-nießen lassen.

Diese Anmerkungen sind ohne Ein-schränkung auch auf die Schönhei-ten der Natur im Thierreich anzu-wenden, und um so viel mehr, dadiese schon von einer etwaS höhernArt sind, weil sie Bewegung, Lebenund Empfindung haben; weil sichbey dem beträchtlichsten Theile dersel-ben bereits ein innerer sittlicher Cha-rakter in der äußern Form zeiget.Man muß gar sehr der feinem Em-pfindungen beraubet seyn, wenn manauf diesen merkwürdigen Theil derSchöpfung ohne lebhaftes Interessesehen kann; wenn man nicht man-nichfaltige, sowol ergötzende, alssonst sehr vortheilhafte Rührungendabei) empfindet. Darum soll dieKunst des Mahlers uns auch zurgenauen Betrachtung dieser Gegen-stände lokcn.

Es ließe sich behaupten, daß alleArten der bis hiehcr erwähnten Vor-stellungen in gewissem Sinne nochunentbehrlicher seyen, als Gemähldevon historisch sittlichem Inhalt. Die-ses Paradoxum anzunehmen, darfman nur bedenken, daß der Mangelder letzter« auf andre Weise, nämlichdurch das Schauspiel, kann ersetztwerden, da er in Absicht aufjene Ge-genstände durch nichts zu ersetzen ist.Wenn es also nützlich ist, wie daran

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