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nc Gemüthsart: sie macht, daß derEaamen des Geschmaks an Ucber-einstimmung, Regelmäßigkeit, Ord-nung und Schönheit, in der Seeleaufkeimet, und treibet ihn allmähligbis zur Stärke einer erwachsenenPflanze; sogar die ersten Keime dessittlichen Gefühls werden durch sieausgetrieben *). Wer wird nicht ge-stehen, daß dieKunst, alle reizendenEccnen der sichtbaren Natur uns in»polgcrathcnen Nachahmungen vor-zulegen, eine Kunst von schätzbaremWerth sey »*)?
Aber die Mahlerey hat noch etwasgrößeres in ihrer Natur, als diesesist: durch Philosophie geleitet, hatsie einen höhern Flug genommen.Sie hat gelernt den f .enschcn nichtblos zu ergötzen, sondern ihn auch zuunterrichten,, sein Herz zum Gutenzu lenken, und jede Art heilsamerEmpfindungen lebhaft in seinem Ge-müthc zu erwekcn; das Feuer derTugend in ihm anzufiammen, unddie Schreknisse des Lasters ihm zurWarnung empfinden zu lassen. Ari.stoceles hat schon angemerkt f), daßes Gcmahlde gebe, die eben so kraf-tig sind einen lasterhaften Menschenin sich gehen zu machen, als diemoralischen Lehren des Weltweisen;und Gregorius von Nazian? er-wähnet in einem seiner Gedichte ei-nes würklichcn Beyspiels hievon.Eine höchst wunderbare Würkuagder Zeichnung und der Farben, diefrcylichdas menschliche Genie in sei-ner höchsten Kraft nicht würde er-funden haben, wen» nicht die Naturdies wunderbare Problem zuerst auf-gelöst hätte- Sie ist es, die uns den-kende, innerlich und unsichtbar han-delnde, nach Gutem und Bösem stre-bende, Vergnügen und Schmerze»
*) G.Rünste, nicht weit vom Anfangedes Artikels IHTH. S-7Z f.
»») Man sehe auch den Artikel Land»
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fühlende Wesen sichtbar gemachthat. Denn der menschliche Körperist nach seiner äußern Gestalt imGrunde nichts anders, als seinesichtbare Seele mit allen ihren Ei-genschaften *)> Sanft und liebens-würdig ist eine wolgcschaffcne weibli-che Seele, stark, unternehmend undverständig die männliche; beydes zei-gen uns die Formen ihrer Körper.Es liegt keine gute noch böse Eigen-schaft in der Seele, die wir nichtdurch Gestalt und Farbe des Körpersfühlten- Also kann der Mahler sogut die höhere, unsichtbare, sittlicheWelt, als die gröbere, körperlichemahlen.
Zwar nicht in dem ganzen Umfangund mit allen kleinen Acußerungcn,wie es die Beredsamkeit und Dicht-kunst thun; denn die Mahlerey läßtuns nur den Geist, nur das Kräf-tigste und Fühlbaresie davon sehen;aber mit desto mehr Nachdruk. Derliebenswürdige Blik eines sanften,der wilde Blik eines zornigen Eemü-thes, geben uns weit lebhaftere Em-pfindungen, als wenn wir den einenoder den andern Zustand der Seele,die durch diese Blike sich zeigen, inder lebhasten Ode lesen würden.Dieses fühlt jeder Mensch. EinBlindgeborner wird gewiß nie soschnell die Würknng der Liebe ansden Reden der liebenswürdigstenSchönen empfinden, als der Sehen,de, der taub wäre; auch wird diestärkste Drohung durch Worte nieso schnell noch so lebhaft in dasHerz dringen, als ein grimmigerBlik des Auges von einem dro-henden Gesichte. Und eben diesesläßt sich von jeder Empfindung be-haupten. Was also die Mahlereyin den Vorstellungen ans der sittli-chen Welt an Ausdehnung gegen dieredenden Künste verlieret, das ge-winnt sie an Kraft, die die Kraft
der
*) 'S. Schönheit. '