Druckschrift 
3 (1793) [K - Q]
Entstehung
Seite
307
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zu zweifeln; aber für andre, selberwenig denkende Kopfe, macht dasVorurtheil des Ansehens sie völligzu unzweifelhaften Wahrheiten. Einsolcher Mann darf nur, um alle fei-ne Zuhörer von einer gewissen Classeplötzlich gegen eine Meynung einzu-nehmen, ihrer mit Verachtung er-wähnen. Wenn er z. B. einen Satzetwa fo anfienge: tLs hat Narrengegeben, die dieses, oder das ge-glaubt haben; fo kann er sicher seyn,daß der größte Thcil seiner Zuhörersich nun nicht getraut, diese Sachezu glauben. Solche Machtsprüchel gehören unter die Kunstgriffe zurUeberredung. Hingegen werden sieauch den denkenden Köpfen, wennder Redner felvst ein Mann von zwei-fclhastem Ansehen ist, nur lacherlich.^ Darum sollen junge Redner undSchriftsteller, deren Ansehen nochnicht feste gesetzt ist, fürnehmlichin Sachen, die noch einigem Zwei-fel unterworfen, sich solcher Macht-sprüche, wodurch sie wegen ihres ge-ringen Ansehens mehr verderben alsgur machen würden, sich sorgfaltigenthalten.

Mahlerey. Mahlerkunft.

Tieft so durchgehcnds gefallende undangenehme Kunst scheinet auf den er-sten Blik blos für die Belustigungdes Auges und für sanftes Ergötzenzuarbeiten: aber eine übcrlegtereVe-trachtung zeiget sie uns in höhererWürde. Wahrscheinlich ist sie in ih-rer ersten Jugend, wie die andernschönen Künste, eine bloße Belustige-rin gewesen. Schon in den Farbenallein, wenn auch keine Zeichnung da-zu kommt, liegt Annehmlichkeit; nochhalb wilde Völker werden davon ge-rührt, sammeln die schönsten Federnder Vögel, um ihre Kleider damit zuschmükcn, die lebhaftesten buntenMuscheln und die glänzendsten Stei-ne, um Zierrathen davon zu machen.

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Vielleicht hat es lange gewahret, eheman gewahr worden, daß Farben,mit Zeichnung verbunden, ein nochmannichfaltigercs Ergötzen verursa-chen; denn das Wachsthum derKenntnisse und des Geschmaks ist un-begreiflich langsam. Aber erst, nach-dem man dieses gemerkt hatte, wur-de der erste Keim der Mahlerey ge-bildet, die in ihrer ursprünglichenNatur nichts anders ist, als eineNachahmung sichtbarer Gegenständeauf flachem Grund, vermittelst Zeich-nung und Farbe.

Schwerlich wird diese Nachah-mung in den ersten Zeiten etwas an-deres zum Grunde gehabt haben, alsdje Belustigung der Sinnen und derEinbildungskraft, die überall bei)gemahltcn Gegenständen sich mehrvorstellt, als die Sinnen würklich em-pfinden. Aber schon Key dieser ein-geschränkten Absicht hatte die Mah-lerey ein edles und weites Feld zurUcbuug vor sich: edel, weil sie dieallwcife und allwolthätige Naturnachahmcte, die überall Lieblichkeitin Farben und Formen verbreitethat; weit, weil die Mannichfaltig-keit des Angenehmen dieser Art uner-meßlich ist. Noch itzt, da die Kunstdurch manches Jahrhundert unddurch die Anstrengung der größtenGenien in ihren Kräften und Absich-ten erhöhet worden, ist sie, auch inihrem eingeschränkteren Wesen alleinbetrachtet, eine Kunst, die mit Eh-ren neben der Poesie und Musik ste-hen kann.

Alles, was die so mannichfaltigenund zum Theil so reichen Sccnen derleblosen und lebenden Natur, durchihrc Anmulhigkcit und durch so man-chen Reiz vorthcühaftes in uns wür-fen, kann auch diese vornehmste Nach-ahmerin derselben ausrichten. Siebefördert in empfindsamen Seelendie Fähigkeit feineres Vergnügen zufühlen, die der Mensch vor dem Thiervoraushat, und mildert dadurch sci-

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