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3 (1793) [K - Q]
Entstehung
Seite
230
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Empfindung der Ehre, oder fanft-niüthig worden wäre: so scheinet esentschieden zu seyn, daß jede Leiden-schaft jedem Gemüth könne einge-pflanzt, und daß jedes von jeder Lei-denschaft, wenigstens bis auf einengewissen Grad, könne gereiniget wer-den. Nur müßte hiebey, wenn dieFrage aufgeworfen wird, wie ebendiese Würkung durch die schönenKünste zu erhalten sey, dasjenige,was von der mechanischen Würkungdes Clima abhangt, von den andernUrsachen abgesondert werden.

Man stehet, ohne sich in schwereUntersuchungen einzulassen, wie dieGemüthcr der Menschen zu gewissenleidenschaftlichen Empfindungen all-mahlig gestimmt, und geneigt gemachtwerden. Wer das Unglük hat untergeizigen, oder rachsüchtigen Leutenauferzogen zu seyn, hat auch dasVorm theil eingesogen, daß der Besitzdes Geldes der höchste Wunsch desMenschen seyn, und daß man nieeine Beleidigung verzeihen müsse.Daraus laßt sich schließen, wie durchdie schönen Künste die Gemüther zuLeidenschaften können geneigt werden,Da sie den gemeinen Vorstellungen,die wir auch in dem taglichen Lebenhaben könnten, mehr Lebhaftigkeitund mehr Kraft geben, so müßtemau solche Werke der Kunst, die zuTilgung oder Erwekung gewisser Lei-denschaften eingerichtet sind, taglichgenießen. Ppchagoras hielt seineSchüler an, alle Morgen und Abendedurch die Musik gewisse Empfindun-gen in sich zu erregen; und der be-rühmte Pensilvanier Franklin, einerder größten und feincstcn Köpfe un-srer Zeit, meldet in einem Schreibeneinem seiner Freunde, der ihm in No-ten gefetzte Lieder geschikt hatte, daßer davon gute Würkung zu Beförde-rung der Mäßigung und Liebe zurhäuslichen Sparsamkeit erwarte").

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In großen Städten, wo täglich dra-matische Schauspiele aufgeführt wer-den, könnten diese dazu gebrauchtwerden.

Ueberhaupt also ist hier zu merken,daß durch eine allgemeine Ausbrei,tung und den täglichen Gebrauchsolche Werke der Beredsamkeit undDichtkunst, darin die Vorstellungenund Urrheile, die eigentlich die Grund,läge gewisser Neigungen ausmachen,lebhaft und eindringend vorgetragensind: darin leidenschaftliche Gegen,stände und die Leidenschaften selbstmit empfehlenden, oder warnendenZügen begleitet, kräftig geschildertwerden, als gewisse Mittel könnenangesehen werden, Neigungen undLeidenschaften zu zeugen, oder ausden Gemüthcrn zu verbannen. Wenndie Jugend, die von nichts, als derinKriegsdiensten zu crwcrbendenEhresprechen hört, und nichts als dahinabzielende Bücher zu lesen bekommt,von dieser Art Ehrbegierde entflammtwird ; und wenn das anhaltende Le-sen etwas schwärmerischer Andachts-bücher die Leute zu Pietisten macht,wie die Erfahrung beydes hinlänglichlehret: so kann man daher denselbenSchluß auf jede andere Neigung undLeidenschaft machen, wenn ähnlicheMittel gebraucht werden.

Und so können auch die andernKünste zu gleichem Zwek dienen. In-dem sie leidenschaftliche Gegenständeund Leidenschaften selbst kräftig schil-dern, erwekcn sie allemal in uns ge-wisse daher entstehende Empfindun-gen, und verstarken dadurch allmah-lig unser Gefühl dcrZuncigung, oder

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