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Abneianng: Vennes ist offenbar, daßwir endlich herrschende Neigung oderAbneigung für solche Gegenstande be-kommen, die wir oft mir Vergnügenoder mit Schmerz, Unwillen oderEkel empfunden haben. Von allenWerken der Kunst scheinen die Liederin dieser Absteht die größte Kraft zuhaben, wie an seinem Ort umständ-licher angemerkt worden ist *). Wiedas Lächerliche hiczu diene, ist bereitsgezeiaet worden **).
Schriften und andere Werke desEeschmaks, die besonders darauf ab-zielen, die Menschen zu heilsamen Lei-denschaften zu reizen, oder schädlichezu schwachen, verdienen die höchsteAchtung von einer ganzen Nation.Wie unendlich würde nicht die Erzie-hung erleichtert werden, um nur ei-nen Fall des Nutzens solcher Werkeanzuführen, wenn man SchriftenHey der Hand hatte, worin die wah-re Ehre, die Liebe zum allgemeinenBesten, und jede zur allgemeinen undbesonder» Glükscligkeit abzielende Lei-denschaft eben so reizend vorgestelltwürde, als die Wollust in so man-chem Werke des Witzes geschildertwird? Wenn anstatt blos lustigeroder witziger Lieder, eben so angeneh-me zu jener hohem Absicht dienende,überall ausgebreitet waren? Wasfür ein leichtes Werk würde es als-dcnn nicht seyn, die Gemüther derJugend von dein Schädlichen der Lei-denschaften zu reinigen, und das Heil-same derselben zu verstärken? Vor-nehmlich aber würde diese große Wür-kung alsdcnn dadurch erhalten wer-den, wenn die Gesetzgeber die Sittenund Gebräuche ihrer Völker zum öf-fentlichen und Privatgebrauch solcherWerke, besonders zu lenken suchten.Mit welcher Begierde stehet mannicht die Menschen in öffentliche undPrivatconcerte laufen? und wie nütz-lich würden diese nicht seyn, wenn da
-) S. Lied.
»») S. lächerlich.
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von Sängern, die den Ausdruk inihrer Gewalt haben, anstatt der Con-certe, die insgemein nichts alseinkünstliches Geräusche vorstellen, Lie-der, wie die. von denen wir so ebengesprochen, abgesungen würden?
Aristoteles sagt, das Trauerspieldiene, durchErwckung des Mitlcidcnsund Schrekcns, die Gemüther vondergleichen Leidenschaften zu reinigen;aber er erkläret sich nicht, auf wasArt dieses geschehe. Es scheinet na-türlicher zu seyn, daß der, der oftznm Mitleiden bewogen wird, da-durch weichherzig, und wer öfters inSchrekcn gesellt wird, furchtsam undschrckhaft werde. Also würde daSGeniüth durch die Tragödie von Har-te, Grausamkeit und Verwegenheitgereinigct werden. Hievon aber wirdanderswo gehandelt werden *).
Die Untersuchung der Frage, wiedurch die schönen Künste die Gemü-thcr zu Leidenschaften können geneigtgemacht, oder gegen dieselben ver-wahrt werden, leitet uns natürlicherWeise auf den zweyten Hauptpunktdieses Artikels, der die Behandlungund Schilderung derselben betrifft»weil, wie vorher angemerkt worden,eben dadurch jener doppelteZwck ambesten erreicht wird.
Man fodert von jedem Künstler,daß er die Leidenschaften nicht nurnach ihrer wahren Natur und in ih-ren verschiedenen Aeußerungcn, son-dern auch nach ihren guten und bösenWürkungcn, zu schildern wisse. Diewichtigsten Werke der Kunst betreibenvornehmlich dieses Geschäfft. DaSHeldengedicht und das Trauerspielberuhen fast ganz darauf.
Getreue, zugleich aber lebhafteSchilderungen der Leidenschaften,nach den verschiedenen Graden ihrerStärke, von den ersten Regungen an,wodurch sie entstehen, bis auf denhöchstcnGrad ihres vollenAusbruchs,P 4 und
') S. Trauerspiel.