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3 (1793) [K - Q]
Entstehung
Seite
228
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hindern, daß ein. Mensch nicht inLeidenschast gerathe, die deutlicheEntwikelung des Einzelen, das indem leidenschaftlichen Gegenstandliegt. Dieses war der Hauptkunst-griff der stoischen Philosophen, wie»us unzähligen Stellen der Betrach-tungen des fürtrefflichen KaiserstNarkns Aurclins zu sehen ist. Dennda es die Hauptbeschäfftigung dieserphilosophischen Schule war, die Lei-denschaften wo möglich zu vertilgen,so ist leicht zu erachten, daß sie diebesten Mittel zu diesem Zwek zu ge-langen werden entdekt haben.

Dieses Mittel ist fürnehmlich denredenden Künsten vorbehalten. Nursie können den leidenschaftlichen Ge-genstand so vorstellen, in solche Thei-le auflösen, daß er nichts reizendesmehr zeiget; sie können die Sachen,die ihrem äußern Scheine nach lic-bens- oder hassenswürdig, erfreulichoder fürchterlich sind, nach ihrer in-ner» Beschaffenheit so cntwikeln, daßalles Leidenschaftliche darin ver-schwindet. So hat Lineas demPxrrdus gezeiget, wie die Vorstel-lung von der Herrlichkeit der Erobe-rungen verschwindet, wenn man dieSachen näher betrachtet*); und sohat auch Sokrates dem Alcibiadesden Stolz, den ihm die vermeynteWichtigkeit seiner Güter eingeflößthatte, gezahmet.

Aber man muß dieses Mittel mitVorsichtigkeit gebrauchen; denn es istselten rathsam, sich einer vorhande-nen Leidenschaft geradezu zu widerse-tzen. Man gießet dadurch insge-mein nur Oel ins Feuer. Besser istes, daß man, auf Somatische Art,sich anstelle, als ob man ihr nachge,be, indem man auf eine schlaue Art,durch allmahlige Entwikelung derphantastischenVorstellungen ihr Fun-dament untergrabt. Was vorhervon der überlegten Wahl des Tones,dcs Ausdruks und derNebcnumsiän-

") S. Lächerlich.

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de, zur Erhitzung der Einbildungs-kraft, angcmerket worden, davongilt hier das Gcgcnthcil. Ein kal-ter, gleichgültiger Ton, linderndeAusdrüke und alles, was besanfti.gend ist, wird hier von dem Rednerangewandt. Ucbcrhaupt muß manmit einem in Leidenschaft gesetzten Ge-müth nicht geradezu streiten. Allen-falls muß man, wenn dieses nöthigscheinet, sehr kurz und.nachdenklichsprechen. Unter den Reden, welchedie an den erzürnten Achilles abge-schiften Fürsten halten, hat in derThat der unbcredte Ajax das Bestegesagt *).

Es gicbt allerdings auch Falle,wo die Leidenschaften geradezu durchMachtsprüche völlig geheimnet wer-den. So laßt Virgil die Wuth derWinde durch den Neptun stillen.Dieser erhebt das Haupt aus demWasser, und ruft den tobenden Win-den die machtigen Worte zu:

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-Aber dazu gehöret ein völlig überwie-gendes Ansehen des Redners. Sowar auch das, dessen sich inderNoa-chide Raphael gegen die Giganten be-diente. Noah hatte durch die kräf-tigsten Vorstellungen ihre Wuth nichtbesänftigen können. Aber als Ra-phael ihrer einige angetroffen, redeteer sie mit einer Hoheit, die sie gleichin Erstaunen setzet, so an:

Scyd ihr noch hier? — Der Herr, derdas Schicksal,

Euer» llngott beherrscht — gebeut euch,

Euch gebeut er, den Sclaocn Adrame«lcchs und Satans,

Hun,

») S. ll. IX. vk. sao u. f.