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3 (1793) [K - Q]
Entstehung
Seite
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vollkommensten in ihrer Gewalt, weilsie alle mögliche Arten der Vorstellun-gen erwcken können: aber der Künst-ler muß dabcy auf die höchste Sinn-lichkeit der Vorstellungen bedachtseyn; muß daö Abwesende als gegen-wärtig, das Ferne als nahe, das Ab-strakte als körperlich und die äußernSinne rührend, vorstellen können.Es gicbt kein^' Leidenschaft, deren Ge-genstand die Beredsamkeit und Dicht-kunst nicht völlig in ihrer Gewalt ha-ben. Vor allen andern Künsten ha-ben sie dieses voraus, daß sie bei)jeder vorkommenden Gelegenheit, daLeidenschaften zu erwekcn sind, dieMittel dazu, ohne vorhergegan-gene Veranstaltung, bei) der Handhaben,

Die zeichnenden Künste können unsauch viel leidenschaftliche Gegenstän-de höchst lebhaft vor Augen stellen.Alles was in den verschiedenen Cha-rakteren und in den sittlichen Eigen-schaften der Menschen zur Erwekungder Ehrfurcht, der Liebe, des Ver-trauens, des Mitlcidens, oder derVerachtung und des Hasses liegt, ha-ben sie in ihrer Gewalt. Der Möh-ler insbesondre kann fast jeden leiden-schaftlichen Gegenstand in der leblo-sen und sittlichen Natur, und auchgcwisscrmaaßen in der unsichtbarenWelt abbilden. Aber diese Mittel,Leidenschaften zu erwcken, crfodernmehr Veranstaltungen, als jene, diein der Gewalt der redenden Künstesind. Sie dienen also hauptsächlichbey öffentlichen Gelegenheiten, durchErwekung der Leidenschaften, denZwek der Feyerlichkeitcn desto siche-rer zu erreichen.

DieMusik hat ausser der Schilde-rung leidenschaftlicher Aeußerungen,wovon sogleich besonders wird ge-sprochen werden, nur wenige leiden-schaftliche Gegenstande in ihrer Ge-walt , weil ihr eigentliches Geschäfftin dem Ausdruk der Empfindungselbst, nicht in der Schilderung der

Dritter Theil.

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Gegenstände besteht. Doch kann sieübcrhauptPracht, Feyerlichkeit, Lcrmund Verwirrung, ingleichen etwasvon sittlichen Charakteren ausdrüken,und also dadurch die Leidenschaftenrege machen.

Aber die Gegenstände, in denen wirinRüksicht auf uns selbst gutes oderböses sinnlich erkennen, sind nicht dieeinzigen Mittel den Menschen in Lei-denschaft zu setzen; sie werden nochschneller rege, wenn wir ihre Aeus-scrungcn an andern wahrnehmen.Menschen, die wir leiden sehen, er-wekcn unser Mitleiden, und freudigeMenschen machen auch uns fröhlich,so wie der Schrecken, den wir in an-dern wahrnehmen, auch uns er-schrekt, ob uns gleich die Ursachedesselben unbekannt ist. Darum sindlebhafte Schilderungen der Leiden-schaften in ihren verschiedenen Aeus-scrungen, auch sehr kraftige Mitteldieselben Aufwallungeil in uns her-vorzubringen.

Der Künstler muß demnach jedeLeidenschaft in ihren Aeußerungenund Würkungen genau kennen, undauf das lebhafteste zu schildern wis-sen. Wir haben aber von der Schil-derung , oder dem wahren Ausdrukder Leidenschaften, diesem zweytenMittel sie zu erweken, bereits an-derswo gesprochen *). Die redendenKünste haben die meisten, aber nichtimmer die kräftigsten Mittel zu die-sen Schilderungen in ihrer Gewalt.Wenn gleich der Dichter die Angst ei-nes nahe zur Verzweiflung gebrach-ten Menschen umständlicher, als je-der andre Künstler schildern kann.- soist doch das, was er uns sagt, nichtso allgewaltig erschütternd, als dieäußerlichen Würkungen dieser Leiden-schaft, die die zeichnenden Künstedurch Gesichtszüge, Stellung undBewegung ausdrüken können. Un-ter allen Künsten aber scheinet die

Musik

*) S. Ausdruk der Leidenschaft.

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