Druckschrift 
3 (1793) [K - Q]
Entstehung
Seite
223
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' Sie ist der Comödie wesentlicher alsdem Trauerspiel, und im Lied weitnothwendigcr als in der Ode. Ue-bcrhanpt ist sie in Werken, die fürein ernstliches Nachdenken gemachtsind, weniger wichtig, als in denen,die schnell rühren, oder angenehmunterhalten sollen. Pindar hatte dieLeichtigkeit des Anakreons nicht nö-thig. Von unfern einheimischenSchriftstellern können LVieland, bei-des in gebundener und ungebunde-ner Rede, und Jacob: in dem Lied,als Meister des Leichten angepriesenwerden.

Leidenschaften.

(Schöne Künste.)

Die Leidenschaften haben einen sogroßen Ancheil an den Werken derschönen Künste, und spielen darineine so beträchtliche Rolle, daß sie inder Theorie derselben eine besondereund etwas umständliche Betrachtungverdienen. Es gehöret unmittelbarzum Zwck des Künstlers, daß er Lei-denschaften crwckc, oder besänftige;daß er sie in ihrer wahren Natur undin ihren Acußerungen schildere, unddie mannichfaltigen guten und schlim-men Wartungen derselben auf,«daslebhafteste vorstelle. Um diesem Ar-tikel, der etwas wcitläuftig werdenwird, die nöthigc Klarheit zn geben,wollen wir die verschiedenen Haupt-punkte desselben voraus bestimmen.

Es soll hier gezciget werden: »was der Künstler zur Erwckung undzur Besänftigung der Leidenschaftenzu thun habe; , 2) wie er jede nachihrer Natnr, in ihren Aeußerungenund nach ihren guten und schlimmenWürkungen, oder Folgen schildernsoll. Der erste Hauptpunkt thcilctsich wieder in zwey andre; denn esentstehen dabei) diese zwei) Fragen:wie das itzt ruhige Gemüthin Leiden-schaft zu setzen, oder das in großeBewegung gesetzte zu besänftigen seu,

und wie überhaupt seine Reizbarkeitzii verstärken oder zn schwächen sei),damit es die beste Stimmung bekom-me, sowol herrschende, als vorüber-gehende leidenschaftliche Empfindun-gen in einem vorthcilhaften Maaßeanzunehmen? Sollen die schönenKünste, wie man zu allen Zeiten vonihnen geglaubt hat, die eigentlichenMittel seyn, die Gemüther der Men-schen überhaupt zu bilden, nnd inbe-sondern Fallen zu lenken: so muß derKünstler nothwcndig jeden der vorhererwähnten Punkte, als Mittel zumZwck zu gelangen, in seiner Gewalthaben. Polpbius sagt, daß die Mu-sik den Arkadicrn nothwcndig gewe-sen, um ihre etwas rohe Gemükhs-art empfindsam zu machen; und je-dermann weiß, daß diese Kunst bei)besondern Gelegenheiten gebrauchtwirb, die Gemüthcr in Bewegungzu setzen, oder zu besänftigen. Die-se Dienste müssen alle schönen Künsteleisten; und deswegen muß jeder guteKünstler die Mittel dieses auszurich-ten in seiner Gewalt haben.

Man fodcrt also in Ansehung desersten der vorhererwähnten zwei)Hauptpunkte, daß der Künstler einitzt ruhiges Gemüth in Leidenschaftsetzen, und das aufgebrachte besänfti-gen könne; daß er in den Gemütherndie gehörige Reizbarkeit, an der esihnen fehlen möchte, in einem schik-lichcn Maaße crweke, und denen, diezu leicht aufgebracht werden, crwasvon dieser Reizbarkeit benehme; daßer endlich eingewurzelte Unarten, wo-durch besondere Leidenschaften bcyjeder Gelegenheit aufwachen, schwä-che, z.V. den jachzornigen Menschensanftmüthiger mache, und hingegenden Gcmürhcrn, denen es an ge-wissen Empfindungen fehlet, wo-durch nützliche Leidenschaften in ih-nen herrschend werden könnten, dieseEmpfindungen einpflanze.

Ehe wir uns über jeden dieserPunkte besonders einlassen, merken

wir