Schritte mehrere Eigenschaften diesesWesens, die aus den ersten Grund-begriffen nothwendig folgen,erkennen.Aber bey dieser Verrichtung müssenwir so genau auf jeden kleinestenSchritt unsrer Vorstellungskraft Achtgeben, daß wir uns selbst und un-fern Zustand, und die Beziehung derDinge auf denselben, dabei) völligaus dem Gesichte verlieren.
DcrRcdncr sucht aus dem ganzenUmfange der uns bekannten und ge-laufigen Begriffe, die eine Aehnlich-keit mit dein großen Begriff, den eruns geben will, haben, diejenigenaus, die wir am schnellcsten und Hel-lesten fassen, und hilft üusrer Ein-bildungskraft dieselben bis auf denhohen Grad zu erheben, in welchemsie cinigcrmaaßen tüchtig werden,uns das höchste Wesen anschauendzu erkennen zu geben. Vornehmlichsucht er die auf, die schon mit unfernEmpfindungen zusammenhangen, da-mit auch der erhabene Begriff desunendlichen Wesens die empfindendeSeele unwiderstehlich ergreife. DieBegriffe eines Vaters, der mit Zärt-lichkeit und Klugheit sein Haus zumBesten seiner Kinder verwaltet, einesweisen Regenten, der mit einem Blikalle Thcilc des RegierungssystemsÜbersieht, und darin alles anordnet,und die Würksamkeit aller Gliederdes Staates unwiderstehlich, dochohne Zwang, zum allgemeinen Be-sten leitet, und andre faßliche Begriffedieser Art wählet der Redner; dannerhöhet und erweitert er den Begriffeiner Familie, um den Begriff einesganzen Staates faßlicher zumachen;diesen aber erhöhet er allmahlig, aberimmer durch leichte Schritte, biszum Begriff der unendlich ausgebrei-teten Hailshaltung des ganzen Welt,systems, von dem er jenes erhabeneWesen, als den obersten, aber blosväterliche Gewalt ausübendcnRegcn-ten vo.stellt. Die emzelen Begriffe,aus deren Verbindung der Redner
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seinen Hauptbegriff bildet, sind Be«griffe, die aus einer Menge sinn-licher Vorstellungen, die wir schnellzusammen verbinden, und auf ein.mal übersehen, zusammengesetzt sind.Dabei) weiß er solche Vorstellungenzu Wahlen, die mit hellen Farben derEinbildungskraft einleuchten, undvon ihr noch vergrößert werden.Aus eben dem Grunde ist schon seinlehrender Vortrag zugleich rührend,da schon seine eigene lebhafte Einbil-dungskraft fein Herz erwärmet; dahingegen der Philosoph nothwendigkalt bleiben muß, damit er auf jede«Schritt, den sein Verstand thut, ge-nau Acht geben könne. Am sorgfal-tigsten ist der Redner, daß er solchesinnliche Bilder zur Erläuterungwähle, die auf das Herz eben dieBeziehung haben, die er in demHauptbegriffcntdckcthat. Also kannman mit wenig Worten sagen: daßder Redner die Begriffe, die er unsbeybringcn will, allemal auf ähnli-che, aber uns sehr bekannte, undvöllig sinnliche Begriffe zurükführe,und uns durch eben so sinnliche Er-weiterung und Ausdehnung derselbenallmählig helfe, jene Hauptbegriffedurch helle Bilder und Gemähldc an-schauend zu erkennen.
Diese rednerische Art, Begrifferichtig und zugleich lebhaft und würk-sam der Vorstellungskraft gleichsameinzuverleiben, setzet bcy dem Rednergroßen Verstand, und eine höchsileb-hafte Einbildungskraft voraus; ermuß Philosoph und Dichter zugleichseyn. Wenn er sicher seyn will, daßdie Begriffe, die er einzuprägen hat,in dcnGcmüthern dauerhaft bleiben,so müssen sie die strengste Untersu-chung aushalten; denn gegen die Zeithält kein Irrthum, und keine falscheVorstellung aus *). Erst denn,wenn er sich selbst durch die strengste
philo-
Opinioaum commrn» äelet 6ie«, n».juäici» conkrm«r. Cicero.