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3 (1793) [K - Q]
Entstehung
Seite
166
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Leh

Quellen derselben, betrachtet. (G. denArt. Li'gur.)> Vog den Mitteln derLebhaftigkeit, ZI. G. Schott in s. Theorieder sch. Wisscnsch. im zten Abschn. desttcn ThcilcS S. -gg.

Lehrende Rede.

Eine der drey Hauptgattungen derRede H, bey welcher es darauf an-kommt, daß gewisse Begriffe, Urthei-lc, oder Mcynungcn in dem Verstän-de des Zuhörers festgesetzt undwürk-sam werden. Der Philosoph könntedenselben Stoff bearbeiten, den derRedner gewählt hat; bcyde würdendie Absicht haben, ihre Begriffe, Ur-thcile oder Schlüsse dem Zuhörerbeizubringen: aber in ihrer Art zuverfahren würde sich ein merklicherUnterschied zeigen, den wir hier na-her zu betrachten haben. Der großeBeyfall, den die Wolfische Philoso«phie mit Recht in Deutschland gefun-den, hat der Beredsamkeil in Absichtauf den lehrenden Vortrag merkli-chen Schaden gethan, indem verschie-dene Redner und Schriftsteller dengenauen philosophischen Vortragauch in die Beredsamkeit haben ein-führen wollen, die ihn gar nicht ver-tragt. Man hörte Reden, darin al-les beynahe mit euklidischer Troken-heit erkläret, oder bewiesen wurde;und es gewann das Ansehen, daßdie wahre Beredsamkeit, in Absichtauf den lehrenden Vortrag, völligwürde verloren gehen. Seit zwan-zig Jahren ist man zwar von diesemverkehrten Gcfchmak ziemlich zurük-gekommen; indessen wird es nichtohne Nutzen seyn, wenn wir hier deneigentlichen Unterschied zwischen demphilosophischen und rednerischen Vor-trag mit einiger Genauigkeit bestim-men.

Der Philosoph arbeitet auf deutli-che Erkennrniß, und so ungezweifelteGewißheit, daß der Geist die völ-

*) S. Rede.

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lige Unmöglichkeit, sich das Gegcn-theil der erwiesenen Satze vorzustel-len, empfindet. Zu dieser Gewiß-heit gelanget er dadurch, daß er alleBegriffe, die in den Urtheilen zumGrunde gelegt werden, deutlich undvollständig cntwikelt, und bis aufdas Einfache derselben, das nurdurch ein unmittelbares Gefühl ge-faßt wird, herabsteiget. Auf dieseWeise erkennet man zuverlaßig, waswahr oder falsch ist; und damit hatder Philosoph seinen Endzwek, derauf das bloße Erkennen der Sachegeht, erreicht.

Man hat vielfältig angemerkt, daßdieses bloße Erkennen weiter nichtswürket. Die wichtigsten und nützlich,stcn Wahrheiten können anfdas deut-lichste in dem Verstände liegen, ohneaus demselben in das Gemüth her-über zu würkcir, um daselbst in Be-weggründe zu Handlungen verwan-delt z» werden. Der Philosoph rich-tet weiter nichts aus, als daß er,wenn wir bereits den Vorsatz habenetwas zu thun, uns lehret, wie wires thun sollen, um die Absicht zu er-reichen ; er zeiget uns den geradesten,richtigsten Weg, dahin zu gelangen,wohin wir zu gehen uns schon vor-her vorgesetzt haben; aber weder denVorsatz dahin zu gehen, noch dieKraft die nöthigen Schritte zu thun,können wir von ihm bekommen. Ihmhaben wir blos das deutliche Sehendes Weges zu danken.

Der Redner hat andre Absichten,und muß daher sich auch andrer Mit-tel bedienen sie zu erreichen. Seinletzter Endzwek ist, die Begriffe undWahrheiten nicht deutlich, oder ge-wiß, sondern kraftig und würksamzu machen. Er bemühet sich, densel-ben die höchste Klarheit, einen Glanzzu geben, der auf die Empfindungwürket. Was derPhilosoph bis ansdie klcinesten Thcile zergliedert, undsiükwcisc betrachtet, sucht der Red-ner im Ganzen vorzustellen, damit