Leb
Gegenstandes, den er behandelt, oderder Vorstellung und Empfindung, dieer zu crweken hat.
Die Lebhaftigkeit hat an sich selbst,ohne Rüksicht ans ihre Ursachen oderWirkungen, etwas, das gefallt.Denn wie wir überhaupt Leben undBewegung der Ruhe vorziehen, sogefallt es uns auch, wenn in demLeben und in der Thätigkcit biswei-len einige lebhafte Augenblike vor-kommen. Indessen Meinet es doch,daß die Lebhaftigkeit sowol in demFortgange des Lebens, als in denGegenständen des Geschmaks, eigent-lich nur als eine Würze zur Erhö-hung der gcwöhnlichcnVorstellungendiene. In dem gesellschaftlichen Um-gange der Menschen würde eine an-haltende Lebhaftigkeit ermüden. Kom-men aber bisweilen zwischen die ge-wohnlichen Scenen des Lebens einigevon größerer Lebhaftigkeit, so gebensie dem Geist und dem Gemüthe einenneuen Schwung und neue Kräfte.Aber eine lang anhaltende Lebhaftig-keit ermüdet zu sehr, hemmet dieWirkungen einer ruhigen Vernunft,und hindert -den Menschen zu derGründlichkeit und Standhaftigkcitzu kommen, der er sonst fähig wäre.Mau kann bey ganzen Völkern, wiebey einzelen Menschen, die Beobach-tung machen, daß eine allgemeineund anhaltende Lebhaftigkeit sie nichtzu der Größe des Geistes und Her-zens kommen läßt, der die Menschenüberhaupt fähig sind.
Hieraus ziehen wir die Folge, daßin Werken des Geschmaks das, wasman vorzüglich lebhast nennet, ohneNachtheil nicht allgemein werdendarf. Es scheinet, daß die nenernfranzösischen Kunstrichter die Lebhaf-tigkeit für die erste und fürnehmsteEigenschaft eines guten Schriftstel-lers halten; das erste Lob, das sieden Schriften, die ihnen gefallen, ge-ben, zielt mcistcntheils dahin ab;eine hinreißende feurige Schreibart
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ist allemal das, was sie vorzüglichloben! aber es ist gerade das, wasman bey den Alten am seltensten fin-det. So ist auch ihre Instrumental-musik; und eben dieser Gcschmak desLebhaften findet sich auch in ihrenzeichnenden Künsten.
Der Mensch ist nie lebhafter, alsim Zorn und in der Freude; deswe-gen auch die Lebhaftigkeit derGcdan-ken und des Ausdruks sich am beste»zu diesen beyden Leidenschaften sän-ken. In der Rache kommen biswei-len bcyde zusammen, und alsdennentsteht eine sehr große Lebhaftigkeit,wovon wir in folgender Stelle desHoraz ein schönes Beyspiel haben:
sluclivere l.zscc, Ol mca vo» ; Ol^ullivercl.^ce! 65 »nur, er »mei»Viz tormols viscri *).
Die Werke des Geschmaks, derenHanptcharakter Lebhaftigkeit ist, kön-nen den Nutzen haben, träge, kalte,auch zu ernsthafte (Zemüther etwaszu ermuntern. Vorzüglich könnenlebhafte Lieder mit guten Melodiendiese Wirkung thun. Es würde inmanchem Fall für die Erziehung derJugend vortheilhaft scyn, wenn manunrer den gangbaren Werken derDichtkunst eine Anzahl solcher Liederhalte, davon man zur Ermunterunzder Gemüthcr, denen es an Lebhaf-tigkeit fehler,Gebrauch machen könnte.Alles Scherzhafte, darin wahre Leb-haftigkeit herrscht, wenn nur sonstnichts, das den guten Geschmak be-leidiget, darin isi, kann zu diesemBehuf angewendet werden.
(*) Von der Lebhaftigkeit, in Rück,ficht auf Schreibart, handeln J.C. Ade-lung, in dem Ven Kap. des itcn BdS„S .-70. sztc Aufl.) seines Werkes, lie-ber den deutschen Styl, der die sgmmt-lichen Figuren als die Hülfsmittel oderL z Quellen
») l.. IV. ,z.