Druckschrift 
3 (1793) [K - Q]
Entstehung
Seite
163
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Leb

Uevcrdruß des Lebens durchdrungen,sich nach der ewigen Ruhe sehnet, mußvon seinem nahen Tode nicht in demangstlichen Ton des Menschen spre-chen , der diesen Schritt mit Echre-kcn thnt. Es wäre völlig ungereimt,wenn ein Dichter ihm eine Rede inden Mund legre, die durch den Tonund den Fall der Worte das Schrek-haftc des Sterbens, und das Fürch-terliche der Ewigkeit schilderte.

Also muß kein Gegenstand nachfeiner Beschaffenheit, sondern nachdem Eindruk, den er auf das Herzemacht, durch den Ton geschildert wer-den. Wer einen Sturm beschreibet,um andere etwas von der -Angst füh-len zu lassen, die er dabcy ausgestan-den har, erreicht allerdings seinenEndzwek besser, wenn auch der Tonder Worte das Heulen und Brausendes Windes nachahmet; würde eraber in einem lehrenden Vortrage dieGewalt des Windes beschreiben, daer alscinNaturforschcrdavou spricht,so würde es sehr frostig herauskom-men, wenn er die Grade der Starkedes Windes durch seinen Vortrag zuempfinden geben wollte; ganz lächer-lich aber würde es seyn-, wenn man,da des Sturms nur beyläufig Er-wähnung geschieht, ihn so schildernwollte. Wer noch voll Schreken dieGefahr, übergeritten zu werden, er-zählte, würde der nicht lächerlichwerden, wenn er das Galoppircn desPferdes durch seine Rede schilderte?Da überhaupt der lebendige Ausdrukden Charakter der Musik an sich hat,so muß sich der Geschmak desselbenauch nach den Grundsätzen dcsAus-druks der Musik richten *).

Den lebendigen Ausdruk darfmannicht mühsam suchen; er bietet sichinsgemein von selbst an. DerDich-ter darf nur sich seiner Empfindungüberlassen, sie wird ihn auf Töne,Wörter, Sylbenmaaß und Rhyth-mus leiten, die sich am besten dazu*) S.Musik; Maplcrcy in der Musik.

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schiken z-sein Ausdruk wird lebendigwerden, ohne daß er es gesucht hat.Ist er durch die Empfindung selbstdarauf geleitet worden, so wird sein-Ausdruk um so viel kräftiger seyn.Mich dünkt, daß unter den Dichtern,die mir bekannt sind, Eunpides darinam glüklichsten gewesen sey; eineeinzige Stelle soll zur Probe dienen,wie uachdrüklich er die Leidenschaftdurch den Ton derWorte zu schilderngewußt hat. In seinem Orestes stehtElcktra vor der Thüre des Saales,in welchem ihr Bruder mit dem Py»lade« die Helena ermorden wollen.Als sie da das Schreyen der Helenahöret, ruft sie ihren Freunden durchdie Thüre zu;

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Mich dünkt, daß der Ton dieser Verseden heftigen Affekt der Elektra sehrlebhaft mahle. Der erste drükt diehitzige Eil, in der der Mord began-gen werden soll, durch die schnellenDaktylen aus: toOrer sie, siechersie, moridet, zernichtet sie. DieHeftigkeit der mörderischen Streichescheinet durch die folgenden zweyVersefühlbar, und der vierte ist völlig, indem Tone des Scheltcns.

Es muß uns nothwcndig rühren,wenn Horaz, da er von dem Sterbeneines glüklichcn und durch manchesangenehme Band an das Leben ange-hefteten Mannes in dein beweglichenTon spricht, den der folgende Versso gut ausdrükt:

Uinguencis ccllus» eräömus, er xls»cens

I/xor.

Und wir empfinden die Hoheit derJuno in ihren Worten:

guae Oivum incecio Uegias.

L 2 Eben

») Lunxicl. Orelt. vk. izox.