Druckschrift 
3 (1793) [K - Q]
Entstehung
Seite
162
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hm wir hier durch den lebendigen.Ausdruk. Hingegen halten wir dasmeiste, was so vielfältig von demschildernden Ausdruk gerühmt wird,für Kleinigkeiten, die der Aufmerk-samkeit des Redners oder Dichtersentweder nicht werth stnd, oder gar,wenn sie würklich gesucht worden,zu tadeln waren.

Daher kommt es mir seltsam vor,daß ein so scharfsinniger Mann, alsLlarke, den Homer so oft des schil-dernden Verses halber lobt, wo ich ihntadeln würde, wenn ich mich beredenkonnte, daß er diese Sclstlderung ge-sucht hatte. So findet er «'lesen Vers

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fürtreffiich, weil er seiner Meinungnach durch den Fall d ' Worte dieschnellen Wendungen der Bewegun-gen im Zweykampf schildern soll *).Der Dichter beschreibet aa diesemOrte den Zweykampf zwischen Hektarund Ajax. Diese Heften sind im Be- -griff den Streit anzufangen. Ajaxfodert seinen Feind auf, alle seineKräfte gegen ihnanzuwenden. Die-ser voll ruhigen Muths antwortetihm in einem gelassenen, aber sehrzuversichtlichen Tone: «Denke nicht,Ajax, daß du einen uncrfahrnenJüngling, oder einen weichlichenKnaben vor dir habest; ich bin mitdem Streit und mit tödtlichen Strei-chen wol bekannt, weist auch denSchild 5»r Vcrthcidigung fertig,rechts oder links vorzuhalten."Wer bey Lesung dieser Stelle seineEmpfindung erforschet, wird dieGe-niüthsfassnng, worin Hektor diesessagt, so vollWürde und so voll Ernstfinden, daß ihm schwerlich dabey ein-fallen wird, der Held habe durch denTon der Worte die schnellen Bewe-

-») II. VII. 2Z8.

»5) Klotus concikoz, reciprocoz crcele-riter »xiraeo» optime äcpinxunr buj»»vertus numeri. Lliuke.

gungen des Schildes bald rechts,bald links, schildern wollen. War-um soll denn der Dichter dieses imSinne gehabt haben? Kurz vorherbeschreibet er, wie Ajax sich bewaff-ner, wie er hierauf gleich dem mach-tigen Kriegesgott hervortritt, undhöhnisch fürchterliche Blike wirst.Denn thut er hinzu:

Er trat 'einher mit machtigemSchritt, seinen gewaltigen Speerleicht schwenkend. Daß in diesemVers etwas hochtrabendes und ma-jestätisches ist, kommt genau mit derEmpfindung übereilt, die der Dich-ter hier gehabt, und die jeder Leserhaben wird.

Eine einzige Anmerkung bestimmtalles, was sich über den lebendigenAusdruk sagen laßt. Der Ton undFall des Verses ist nicht für den Ver-stand, sondern für das Herz. Die-ses beschafftigct sich blos mit seinenEmpfindungen; es hat kein Augezum Sehen, erkennet nicht, sondernfühlt nur. In der Empfindung ge-ben wir blos auf unfern inncrn Zu-stand Achtung, nicht auf die Beschaf-fenheit des Gegenstandes: was alsoim lebendigen Ausbruch nicht Gefühlist, gehört nicht zur Sprache desHerzens, und kann poßirlich odergar abgcschmakt werden. Sehen wirnicht in einigen niedrig comischcnOperetten, daß gerade dergleichenSchilderungen am besten das Pos-sirliche ansdrükcn; wie wenn einMensch im Schecken das Pochen desHerzens durch Vcrs undGesang nach°ahmet?

Die ungeschikteste Anwendung desschildernden Ausdruks wird da ge-macht, wo man den Gegenstand, deruns in Empfindung setzet, gerade ge-gen die Empfindung schildert; wie esbisweilen sehr unüberlegt in der Mu-sik geschieht. Ein Mensch, der vom

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