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3 (1793) [K - Q]
Entstehung
Seite
161
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Leb

tcrsektionen); daher man diesen Aus-kunft eigentlicher den leidenschastli-cken Ausdruk nennen würde. Ei-nige Kilnstrichter rechnen auch denwählerischen Klang hieher, der dienatürliche Beschaffenheit körperlicherGegenstände ausdrükt, wie der be-kannte Vers des Virgils:

(^nacleupetlanro. purrem konitugua-rir ungula csmpum;

durch dessen Klang,de»Dichter dasEalloppiren eines Pferdes habe schil-dern wollen.

- Man konnte dieses den schilderndenAusdruk nennen, weil der bloße Tonder Worter den Gegenstand, den siebedeuten, zu erkennen gicbt. Wahr-scheinlicher Weise sind die erstenGrundworter aller Sprachen derWelt ursprünglich schildernde Tönegewesen, wie im Deutschen die Wör-ter Donner, Xvinv, Säuseln, Rie-seln, Fließen u.s. f. denn woher soll-ten sonst die Erfinder der Namen dieWörter hergenommen haben, alsaus Nachahmung des Tones, dendie Sachen hören lassen *)? Ehe die

Hieraus würde folgen, daß alle Spra-chen der Welt gar viel gemeinschaftli-che Grundwörter haben müssen. Da-von bin ich auch überzeuget. Nur mußman bedenken, daß nicht jedes Ohrdie natürlichen Töne gleich bestimmthöret, und nicht jeder Mund sie gleichbestimmt nachahmet; einer glaubtedas Brüllen des Stieres gut durchdas Wort Ochs, der andre durch dasWort nachzuahmen; beyde Wör-ter sind im Grund einerlei?. So se-hen mir täglich, daß ein Deutscher,ein Franzos, und ein Engländer, einund eben dasselbe ihm unbekannte,z. S. polnische oder russische Wort, je-der nach seiner Art, nachspricht. Hät-ten alle Menschen dasselbe Gehör unddieselben Werkzeuge der Sprache, sowürden die Stammwörter aller Spra-chen der Welt genau mit einanderübereinkommen. In den abgeleitetenBedeutungen zeiget sich ein noch größe-rer Unterschied. Ein Mensch wurdebcy dem Stier durch die Größe ge«rühret, und machte daher von demWorte/Z»- eine Ableitung, um etwa»Dritter Theil.

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Menschen eine Sprache hatten, de-ren Wörter durch den Gebrauch be-deutend wurden, mußten sie sich noth-wendig solcher schildernden Töne be-dienen, die itzt vollkommen übcr-flüßig sind. Indem der Grieche dasWort höret, denkt er eben sogeschwind und eben so bestimmt andie Sache, die es ausdrükt, als derEngländer, dem durch das WortVVinä die Sache selbst geschildertWird.

In ausgebildeten Sprachen habendergleichen schildernde Wörter, wennman dlos bestimmt sprechen will, kei-nen, oder doch einen sehr geringenästhetischen Werth, weil man ohnesie sich sehr bestimmt und verständlichausdrüken kann. Ganz anders aberverhält es sich, wenn man auf dieEmpfindung würken will; denn damuß auch der bloße Ton der Wortedas Scinige zu Erreichung des End-zweks beyrragen. Wer andre.durchErzählung einer Schandthat in Zornund Entrüstung setzen will, muß nichteinen sanften Ton annehmen, auchnicht sanftklingende Wörter brau-chen; denn dicfts würde dem Zuhö-rer anzeigen, daß der Erzähler selbstnichts dabcy fühlet. Wie also derTon der Rede überhaupt das Geprä-ge der Empfindung, die man erwe-ken will, haben muß, so müssen auchdie Wörter und der Gang der Rede,oder dasRhythmische darin, demsel-ben angemessen seyn. Dieses verste-hen

Großes auszubrüten z einen andernrührte bey demselben Thier die plum-pe Dummheit, und dieses bemsg ihneinen gcobbummen Menschen einenOchsen zu nennen. Diese bcyden An-merkungen sind schon hinlänglich, dengroßen Unterschied zwischen den Spra-chen der Völker, die ursprünglich ausNachahmung eben derselben Töne ent-standen sind, zu erklären. Hätten alleMenschen gleiche Sinnesart, so wür-den auch die abgeleiteten Bedeutun-gen der Wörter in allen Sprachen ej-nerley sepn.