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3 (1793) [K - Q]
Entstehung
Seite
156
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schcinlich, daß in den alten Altenauf jede Sylde des Textes nur einTon, oder höchstens ein paar an ein-ander geschleifte Töne gefetzt worden.Doch hat schon der heil. Augustinusangemcrket, daß man bei) Hymnenbisweilen in solche Empfindungenkomme, die keine Worte zum Aus-druk finden, und sich am natürlich-sten durch unartikulirte Tone äußern;daher auch schon in alten Kirchcnstü-ken etwas von dieser Art am Endevorkommt. Ich habe aufdcrKönigl.Bibliothek in Berlin in einem grie-chischen Gesangbuche, das im achtenoder neunten Jahrhundert geschriebenscheinet, schon ziemlich lange Laufemitten in einigen Versen bemerket-

ES ist, wie schon Rousseau ange-merkt hat, ein Vorurthcil, alle Laufeals unnatürlich zu verwerfen. Esgiebt in den Aeußcrungen der Leiden-schaften gar oft Zeitpunkte, da derVerstand keine Worte findet, das,was das Herz fühlet, auszudrüken;und eben da stehen die Laufe am rech-ten Orte. Aber dieses ist ein höchst-verwerflicher Mißbrauch, der in denneuer» Zeiten durch die Opcrnaricnaufgekommen, und sich auch von dain die Kirchenmusik eingeschlichen hat,daß lange Laufe, ohne alle Veran-lassung des Ausdruks, ohne andreWürkung, als die Bcugsamkeit derKehle an den Tag zu legen, fast über,all angebracht werden, wo sich schik-liehe Sylbcn dazu finden; daß Ariengesetzt werden, wo die Halste derMelodie aus Laufen besteht, derenEnde man kaum abwarten kann.Sie sollten nirgend stehen, als woder einfache Gesang nicht hinreicht,die Empfindung auszudrüken, undwo man fühlet, daß eine Verwei-sung auf einer Stelle nothwendig ist.Der Tonsctzcr zeiget sehr wenig Ue-berlcgung, der sich einbildet, er müsseüberall, wo er ein langes s, oder o,antrifft, einen Lauf machen. Esgiebt gar viel Arien, deren Text kei-

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ncn einzigen erfodcrt, oder zuläßt.Vornehmlich sollten blos künstlicheLaufe schlechterdings aus der Kir-chenmusik verbannet seyn, weil esda nicht erlaubt ist, irgend etwas zusetzen, das die Aufmerksamkeit vondemJnhalt auf die Kunst des Sän-gers abziehet.

Von dem Vortrag der Laufe findetman in Tosis Anleitung zur Sing-kunst, und den von Herrn Agricoladaselbst beygefügtcn Anmerkungen ei-nen sehr grundlichen Unterricht.

L a u n e.

(Schöne Knuffe.)

bedeutet eben das, was man ge-mciniglcich auch im Deutschen niitdem französischen Wort -Humeurausdrüket, nämlich eine Gemüchs-fassung, in der eine unbestimmte an-genehme oder verdrießliche Empfin-dung so herrschend ist, daß alle Vor-stellungen und Aeußcrungen der See-le davon angestckt werden. Sie istein leidenschaftlicher Zustand, in de«die Leidenschaft nicht heftig ist, kei-nen bestimmten Gegenstand hat, son-dern blos das Angenehme oder Un-angenehme, das sie hat, über dieganze Seele verbreitet. In einer lu-stigcn Laune sieht man alles von derergötzenden und belustigenden Seite;in einer verdrießlichen aber ist allesverdrießlich. Wie ein von gelberGalle krankerMensch alles gelb sieht,so erscheinet einem Menschen in gu-ter oder üblerLaune alles lustig, oderverdrießlich; seine Urtheile, Empfin-dungen, Handlungen, -haben als-dcnn etwas falsches, oder übertrie-benes an sich. Von der Laune wirddie Vernunft nicht so völlig, als vonder heftigen Leidenschaft gehcmmet;aber sie bekommt doch eine schiefe Len-kung , daß sie keinen Gegenstand inseiner wahren Gestalt, oder in sei.nein eigentlichen Vcrhaltniß sieht.Menschen von lebhafter und sehr cm- .

Kfind-