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Vor allen zum Studiren gehörigenDingen, muß der Landschaftmahlcrdie Perspektiv so vollkommen, wieder Rechenmeister sein Einmaleinsbesitzen. Es ist höchlich zu bedauern,daß auch gute Künstler, die aus denLandschaften ihr Hauptwerk machen,dieses Studium verabsäumen, ohnewelches schlechterdings keine Land-schaft vollkommen seyn kann. Diewürkliche Zeichnung nach der Naturmacht die Kenntnisi der Perspektivnicht überflüßig. Es geschieht höchstselten, daß eine Landschaft ganz, oh-ne daß etwas wegzulassen, oder hin-zuzusetzen wäre, dem Mahler dienenkönnte; dazu aber muß er nothwen-big die Perspektiv verlachen, und wenner auch nur einen Baum hinsetzenwollte. Und wäre sein Augenmaaßnoch so richtig, so wird er im Nach-zeichnen der Natur gewiß Fehler be-gehen , bald in der Richtung der Li-nien, bald in der Größe; in diesemFall aber wird die Täuschung nie voll-kommen seyn. Denn obgleich der,welcher die gewählte Landschaft sieht,nichts von der Perspektiv versteht, ober gleich die Fehler nicht erkennet, sofühlt er sie; so wieder, wclchernichtsvon der Harmonie der Töne weiß,empfindet, was ein reiner oder un-reiner Ton ist. Die genaue Bcob-achtung der Perspektiv ist so wichtig,daß sie allein bcynahe hinreichend ist,die Täuschung zu bewürfen. Ichhabe perspektivische Zeichnungen ge-sehen, die durch bloße Umrisse, ohneLicht und Schatten, ohne Farben,mich bcynahe die Natur selbst empfin-den ließen. Die Vcrabsäumuug die-ses so wichtigen Theils der Kunstwäre itzt um so viel weniger zu ver-zeihen, da man nun, besonders nachdem, was Herr Lambert zu Erleich-terung der Perspektiv gethan hat *),in wenigen Monaten die ganze Kunstlernen kann.
S. Perspektiv.
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In Ansehung der freyen Zeichnungstehen nicht wenige in dem Vorur-theil, daß der Landschaftmahlcr ebenkein Raphael seyn dürfe. Aber diesebedenken nicht, was für ein durch,dringendes Auge, was für eine Mei-sterhand erfodert werde, von so un-zähligen Gegenständen, als die leb-lose Natur allein darbietet, jedemseine eigcnthümliche Form und scmcnCharakter zu geben; besonders, dadieses Eigenthümliche mcistcnrheilsaus solchen Modifikationen der Formbesteht, die sich blos empfinden, abernie deutlich erkennen lassen. Was ge-höret nicht dazu, nur jedem Baumeden eigentlichen Charakter seiner Artzu geben, daß man ihn auch! in derFerne erkennet? Aber der Landschaft-mahlcr arbeitet selten, ohne sittlicheHandlung vorzustellen; je mehr er davon Raphaels Talenten hat, je glük-licher wird er seyn. Selten bringeter uns seine Figuren so nahe ans Au-ge, daß wir den Charakter und diegegenwärtigen Gedanken der Perso-nen in ihren Gesichtern lesen könnten:aber desto schwerer wird es ihm, ebendieses durch Stellung uud Gcbehrdcuanzuzeigen. Nur ein vorzüglichesGenie kann dieses erreichen, da hierkeine Regel und kein Ausmessen derVerhältnisse statt haben kann: aberdas Genie muß durch unermüdctcsStudium und tägliche Zeichnung al-lcr Gattung natürlicher Formen rechtausgebildet werden.
Von allen Geheimnissen des Colo-nes darf dem Landschaftmahlcr kci.nes unbekannt seyn, weil erst dadurchjeder Thcil der Landschaft sein wah-res Leben bekommt. Wichtiger isthier, als in allen andern Gattungen,der beste Ton, und die vollkommensteHarmonie der Farben. Jede Jah-reszeit und selbst jede Tageszeit hatihren eigenen Ton, der ungemein vielzu der Schönheit des Ganzen bey-trägi. Der helle, erquikende Tonmuß im Frühling, der siuifte, duftige,K 4 im